Entwicklung

„Mein Kind kann aber schon…“- Na und?!

Es gibt da diese eine Schwäche, die alle Mamas haben. Diese Sache, die alle machen.
Vergleichen.
Und damit meine ich die Angewohnheit, das eigene Kind mit anderen zu vergleichen.
Ich kann mich davon nicht freisprechen, ich mache es auch. Und ich glaube, niemand kann dies verhindern. Das ist einfach eine Sache, die wir nicht steuern können. Wir begegnen anderen Menschen und unser erster Gedanke ist „Oh, die ist ja schlanker/ dicker/ schöner/ reicher als ich.“
Selbst, wenn wir mit uns im Reinen, mit unserem Körper oder unserer Lebenssituation zufrieden sind, kommen wir nicht umhin, uns mit anderen zu vergleichen.
Und genauso passiert uns das bei unseren Kindern. Wenn man mal nachdenkt, beginnt das sogar schon in der Schwangerschaft. Die eine Schwangerschaft lief so, die andere so. Bei der Geburt war das Kind mehr als 3 Kilo schwer, das andere war eher ein Brathähnchen.
Solche Vergleiche sind natürlich nicht nur negativ. Manchmal helfen sie uns dabei, dass wir unsere Sorgen reduzieren und feststellen, dass andere Menschen sich ähnlich fühlen wie wir.
Oft ist es beruhigend zu erfahren, dass es dem Kind doch besser geht, als man befürchtet, wenn andere von ähnlichen Situationen erzählen.
Trotzdem bin ich kein Fan vom ständigen Vergleichen und ich ärgere mich täglich ungefähr zigmal, dass ich es nicht abstellen kann und mir immer Gedanken machen muss.
Warum mache ich mir Gedanken?
Meine Tochter kam vier Wochen zu früh zur Welt. Sie ist also ein Frühchen, wog bei der Geburt nur 2305 g. Sie war wirklich ein winzig kleines Püppchen, der erste Body war in Größe 46.
Tatsächlich hat sie einiges aufgeholt, sie ist rundum gesund.
Trotzdem fällt auf, dass sie mit ihren 16 Monaten motorisch nicht so weit ist, wie andere Kinder. Und da kommen wir zum Vergleichen. In ihrem Alter läuft sie noch nicht. Sie kann krabbeln, klettern, einhändig stehen und vieles mehr- aber sie läuft nicht.
Jedes Mal. wenn ich Eltern mit ihren Kindern treffe, frage ich nach dem Alter und kurz darauf kommen wir auf das Thema Entwicklung. Wenn ich dann sehe und höre, dass vor mir ein Kind sitzt, dass jünger als meine Trotzprinzessin ist, spüre ich, wie sich ein dicker Sorgenknubbel in meinem Bauch breit macht.
Ich weiß, dass das Unsinn ist. Der Kinderarzt bestätigt mir bei jedem Besuch, dass es meinem kleinen Mädchen absolut gut geht. Aber ich kann nichts dagegen tun. Ich sitze dann auf der Bank, schaue meinem Kind beim Krabbeln und klettern zu und denke: Warum läufst du nicht? Bitte lauf doch einfach, wie die anderen Kinder.
Natürlich sage ich ihr das nicht, abgesehen davon, dass sie es nicht verstehen würde. Ich setze sie nicht unter Druck.
Doch manchmal spüre ich die mitleidigen Blicke  der Eltern, die die Augenbrauen heben, wenn sie erfahren, wie alt mein nicht-laufendes Kind ist. Und das nervt!
Echt jetzt- reicht es nicht, wenn ich mir schon genug Sorgen mache? Muss ich dann noch Sätze wie:“Also mein Arnold, der kann schon allein die Treppe hoch!“ zu hören bekommen?
Liebe Mamas und Papas. Andere Eltern wissen immer Bescheid. Das ist ja klar. Aber anstatt weniger schöne Vergleiche zu ziehen, die uns gegenseitig einfach nur verunsichern, frustrieren und unfassbar viele Sorgen herauf beschwören, sollten wir uns klar machen, wie es wirklich ist: JEDES KIND BRAUCHT ZEIT. Das eine mehr, das andere weniger. Es ist doch völlig egal ob der kleine Horst früher läuft, als der kleine Tobias. Und es ist genauso egal, ob die Annabell schon mehr Stückchen runter bekommt, als der Elias.
Vergleiche beherrschen unsere Welt. Das ist nun mal so. Wir wollen das, was wir nicht haben (können) und sind oftmals LEIDER nicht in der Lage, uns damit zufrieden zu geben, was wir haben.
Ich denke, jeder sollte den Moment wertschätzen. Dankbar sein, für das, was er hat, was er kann und für die Möglichkeiten, die ihm offen stehen.
Meine Tochter kann schon so viel- sie macht bewusst Unsinn, sie kann klatschen und Luftküsse geben, sie kuschelt, ist gesund und munter. Was will ich mehr?
Ich bin so verdammt stolz auf mein Kind!
Und das könnt ihr auch auf eure Kinder sein- gebt ihnen Zeit, der Rest kommt von ganz allein. Wirklich.

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