Schwangerschaft & Geburt

Denn Sterne strahlen ewig.

Ich werde das Datum nie vergessen. Der 5. Juli 2016 war der Tag, an dem wir unser Baby verloren.

Aber von vorne…

Mein Mann und ich hatten am 19.12.2015 beschlossen, dass wir das Abenteuer Kind nun starten wollten. Wir hatten schon lange darüber geredet, doch an diesem Tag nahm ich meine letzte Pille.
Und tatsächlich, nur 4 Monate später war ich schwanger!

Niemals hätte ich gedacht, dass es so schnell gehen würde. Vor allem, weil mir eine Frauenärztin, bei der ich als Neupatientin einen Ultraschall geschenkt bekam, plötzlich eröffnete, dass ich aufgrund einer Fehlbildung in der Gebärmutter keine Kinder bekommen könne. Ich war geschockt- sie war nicht besonders einfühlsam, das machte es noch schlimmer. Unter Tränen verließ ich die Praxis und rief meine Mutter an.
Sie sorgte dafür, dass ich eine Reihe von Terminen in Kliniken wahrnahm, um die Behauptung der Frauenärztin zu überprüfen.
Glücklicherweise sagten mir alle Ärzte dasselbe: JA, ich hatte eine Fehlbildung. Meine Gebärmutter war durch eine Wand in zwei Kammern geteilt. Doch Kinder würde ich trotzdem bekommen. Und sollte dem nicht so sein, könnte man die Wand immer noch entfernen. Da dies aber eine heikle Operation war, riet man mir erstmal davon ab.
Als wir also den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielten, konnten wir unser Glück kaum fassen. Wir bekamen ein Baby!
Die Nachricht traf uns mitten ins Herz.
Und doch blieb die Angst. Was, wenn die grausame Frauenärztin recht behielt und die Fehlbildung die Entwicklung des Kindes behinderte?
Meine neue Frauenärztin, die auch die Schwangerschaft feststellte, versuchte mich zu beruhigen. Sorgen konnten wir uns später machen. Gerade war alles in Ordnung, Man sah derzeit natürlich nur eine kleine Blase, jedoch an der richtigen Stelle, in einer Kammer der Gebärmutter. Nun war es wichtig, die Nerven zu behalten und keinen Stress zu produzieren. Leichter gesagt als getan.
Ich las alle möglichen Ratgeber, ernährte mich gesund, ließ rohes Fleisch und Weichkäse weg, hob nichts, was mehr als drei Kilo wog und versuche mich zu entspannen.
Dann war es Zeit für den nächsten Kontrolltermin. Schon als ich von zuhause los fuhr, spürte ich wie mir die Angst im Nacken saß. Alles in Ordnung, redete ich mir ein. Es wird schon.
Endlich wurde ich aufgerufen, dann saß ich im Untersuchungszimmer. Gut ginge es mir, erzählte ich der Ärztin. Keine Probleme bisher.
Ich konnte auf den Bildschirm sehen, während sie mich untersuchte. Das Baby streckte seine Ärmchen zur Seite. Ich musste sofort an „Bernd das Brot“ denken und grinste kurz. Die Ärztin schaute sehr lange auf den Monitor, bis sie mich aufforderte, mich wieder anzuziehen. Sie erklärte mir, dass der Herzschlag zu sehen war. Etwas schwächer als normal, aber er war da. Außerdem war das Baby sehr klein. „Erstmal nicht beunruhigen lassen.“, bat sie mich und gab mir noch ein paar Ratschläge mit auf den Weg.
Einerseits war ich erleichtert. Der Herzschlag war vorhanden. Und ich hatte ein Baby in meinem Bauch. Andererseits hatte ich ein komisches Gefühl… die Angst meldete sich wieder.
Zuhause erstatte ich meinem Mann Bericht und er freute sich sehr über das mitgebrachte Ultraschallbild. Ich erzählte ihm nichts von meiner Angst- es reichte, wenn ich mir Sorgen machte.
Mittlerweile war ich in der achten Woche. Ein paar Tage später bekamen wir Besuch von unserer Freundin. Wir saßen auf dem Balkon und genossen die letzten Sonnenstrahlen. „Bald ändert sich alles. Dann war´s das mit ruhigen Abenden draußen.“, witzelte sie. Mein Mann stieg sofort darauf ein. „Ich glaub´ , ich muss schnell Zigaretten holen gehen.“, rief er und lachte mich an. Doch ich reagierte anders, als erwartet- plötzlich brach ich in Tränen aus. Die beiden starrten mich erschrocken an, hatte doch niemand, selbst ich nicht, mit einer solchen Reaktion gerechnet. Ich schluchzte, stand auf und rannte ins Bad.
Kurze Zeit später klopfte meine Freundin an die Tür und tröstete mich. Ich hatte mich etwas beruhigt, dennoch war ich schockiert. Was war los mit mir? Mein Mann kam dazu, er war blass und entschuldigte sich mehrfach. Er hatte ein schlechtes Gewissen, doch ich war nicht sauer auf ihn. Normalerweise sind solche Kabbeleien unter uns normal und lustig. Doch entweder meldeten sich die Schwangerschaftshormone oder irgendetwas stimmte nicht. Mein Bauchgefühl meldete sich erneut.
Als ich am Folgetag, es war der 5.Juli, zur Toilette ging, erschrak ich- ich hatte eine Blutung. Natürlich musste das nichts bedeuten. Doch ich rief meine Mutter an, die mich ins Krankenhaus schickte. Dann schrieb ich meiner Freundin, wo ich am Krankenhaus parken konnte, sie kannte sich aus. Ich erzählte ihr was los war und machte mich auf den Weg. Meinem Mann hatte ich bewusst noch nichts gesagt, ich wollte abwarten. Doch meine Freundin gab die Info an ihn weiter und er rief mich an. Das schlimme war, dass er schon auf dem Weg ins selbe Krankenhaus war. Sein Vater war von der Leiter gestürzt und hatte sich schwer verletzt. Mein Mann musste später also nur die Etage wechseln. Ganz toll…

Ich betrat die Gynäkologie und musste eine Weile warten, bis ich aufgerufen wurde. Eine junge Ärztin untersuchte mich. Sie blickte konzentriert auf den Monitor. Die Minuten vergingen und sie sagte kein Wort. Ich zitterte, der kalte Schweiß brach mir aus. Da stimmte etwas ganz und gar nicht. Sie fragte mich, ob der Herzschlag schon da war und ich bejahte dies. Dann schaute sie wieder auf den Bildschirm. Nichts geschah.
„Es tut mir leid.“, wandte sie sich. „Ich sehe keinen Herzschlag.“
Bumm. Etwas zerbrach in mir. Ich glaubte, nicht mehr atmen zu können.
„Ich würde gern einen Arzt schauen lassen und Sie über Nacht hier behalten.“- „Nein!“, antwortete ich sofort. Ich wollte auf eigene Verantwortung gehen. ich wollte zu meinem Mann. Nach Hause. Und das tat ich auch. Die Ärztin wollte mich überzeugen zu bleiben, doch ich ging.
Im Flur brach ich in Tränen aus. Mein Mann kam dazu und nahm mich einfach in den Arm. Er sagte nichts. Was hätte er auch sagen sollen?
Als ich meine Mutter informierte, organisierte sie eine weitere Untersuchung bei ihrer Freundin im Krankenhaus. Wir konnten sofort hin. Ich brauchte diese erneute Bestätigung. Auch wenn ich wusste, dass es vorbei war. Doch ein letzter Zipfel Hoffnung trieb mich an.
Im Krankenhaus wurde ich noch einmal sehr intensiv und lange untersucht. Leider konnte mir die Ärztin nichts anderes sagen: Unser Kind war gestorben. Es hatte keinen Herzschlag mehr.
Ich ließ die Informationen über den weiteren Vorgang über mich ergehen, dann machten wir uns auf dem Heimweg. Im Parkhaus setzte ich mich ins Auto und telefonierte nochmal mit meiner Mutter. Es brach aus mir heraus, ich schluchzte pausenlos. Mein Mann rief auch seine Mutter an. Und plötzlich konnte ich beobachten, wie er am Telefon zusammenbrach, Er war so stark gewesen. Nur für mich. Dabei hatte ich nicht daran gedacht, dass auch etwas verloren hatte.
Die nächste Woche waren wir beide krank geschrieben. Ich organisierte einen Termin für die Ausschabung, wir schlossen uns zuhause ein und verbrachten drei Tage auf dem Sofa. Die Stunden waren gefüllt mit Tränen und Gesprächen. Doch nach dem dritten Tag gab es Grund zum Lachen. Ich weiß nicht, worüber wir gelacht haben, doch es kam einfach aus uns heraus. Und obwohl ich mich schlecht fühlte, weil ich lachte, war es doch genau das Richtige. Es musste ja weitergehen.
Dann kam die Ausschabung. Mein Mann brachte mich ins Krankenhaus. Ich wurde allein in den Vorraum des OPs geschoben, dort musste ich ein paar Minuten warten. Die längsten Minuten meines Lebens. In diesem kalten, nackten Vorraum kam alles wieder hoch. Die Freude über die Schwangerschaft, der Verlust unseres Babys… nun die Ausschabung. Ich weinte und weinte. „Alles wird gut.“, sagte die Schwester neben mir und streichelte meine Hand. Ich danke ihr noch heute dafür, dass sie da war.
Dann ging es los. Im OP wurde ich narkotisiert und als ich aufwachte, war alles vorbei.
Mein Mann war bei mir und lächelte mich traurig an.
Nur eine Woche später arbeitete ich wieder.
Am 5. Juli ist unser Baby gestorben. Doch wir haben es nicht verloren. Es ist zu unserem Stern geworden und Sterne strahlen ewig! Ich glaube nicht an Gott. Aber ich denke, die Natur hat Gründe für manche Dinge. Es hat einen Sinn, dass es so gekommen ist. Ich denke noch oft an unser Sternchen. Manchmal täglich. Die Erinnerung an unser Baby bleibt. Nichts kann das ändern. Es ist wichtig, weiter zu leben. Nicht aufzugeben. Und ich bin sicher, dass uns das Sternchen unser Trotzkopfkind geschickt hat. Danke, kleiner Stern. Du bist immer in unserem Herzen. Wir lieben dich!
Deine Eltern.

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