Alltagsabenteuer

Zwischen Wut und Wahnsinn- schnell, wir müssen los!

Wow, jetzt sind wir schon fast acht Wochen eine vierköpfige Familie und ich habe endlich mal ein paar Minuten Zeit, um einen Bloggerbeitrag zu schreiben.

Das Leben mit zwei Kindern ist wunderbar, unglaublich bereichernd, interessant- und scheiße anstrengend! Verdammt, ich habe gedacht das Trotzkopfkind fordert mich schon (an dieser Stelle spreche ich allen Müttern meinen großen Respekt aus!), doch mit zwei Kindern merke ich erstmal, was Schlafmangel wirklich bedeutet. Natürlich gehen die Herausforderungen weit über fehlende Schlaf hinaus.
Früher habe ich mich erst gewundert, dann aufgeregt über Freunde, die bei jedem Treffen zu spät kamen. Mal fünf Minuten, manchmal zehn.
Es muss doch möglich sein, sich auch mit zwei Kindern so zu organisieren, dass man pünktlich bei einer Verabredung sein kann!
HAHA. Heute denke ich anders. Tut mir leid Leute, wenn ich damals eine große Klappe hatte.
Ich gehe unter. Es ist der Wahnsinn, wie einer Mutter mit einem/ zwei/drei Kindern jegliches Zeitmanagement verloren geht. Doch gleichzeitig baut man sich ein anderes Management auf.
Ein Beispiel: Das Trotzkopfkind muss zwischen 8 und 8.30 Uhr bei der Tagesmutter abgeliefert werden- ich sage euch, eine halbstündige Bringphase ist kurz. Saukurz.
Seit der Drachenpapa wieder arbeitet ist er morgens um halb sieben aus dem Haus. Ich regele also den Morgen allein (so wie fast jeder vermutlich; auch hier nochmal: Respekt an uns selbst).
Gestern stellte ich mir den Wecker auf 6.45 Uhr, um mich in Ruhe anziehen zu können, bevor das Chaos beginnt. Duschen? Keine Chance.
Doch kaum aus den Schlafsachen raus, meldete sich das Trotzkopfkind. Also flitzte ich ins Schlafzimmer, um sie daran zu hindern, das Trotzbaby zu wecken- zu spät! Mein großes Mädchen war direkt zu ihrer Schwester gekrabbelt, um sie liebevoll und etwas grobmotorisch wach zu streicheln. „Baby waaaach!“, schrie sie mir zufrieden entgegen. Super, also beide Kinder gleichzeitig fertig machen. Natürlich wollte unsere jüngste erstmal trinken und das Stillen dauert ja bekanntlich etwas länger. Schon war die erste halbe Stunde rum und noch keiner von uns angezogen. WAH! Stress.
Ich versuchte das Baby schlafend abzulegen, um wenigstens die Große schon mal anzuziehen. Kaum aus meinem Arm raus, brüllte es aber.
Okay, also nicht.
Lösung: Ich packte sowohl unsere Kleine, als auch unsere Große nebeneinander auf den Wickeltisch und zog sie parallel an. Gar nicht so einfach, wenn das Trotzkopfkind die ganze Zeit an den Armen ihrer Schwester rum fummelt, sie liebkosen und kuscheln will. Doch endlich hatte ich es geschafft. Angezogen war ich immer noch nicht.
Das Trotzkopfkind ließ sich darauf ein, noch ein Buch zu lesen, so konnte ich das Drachenbaby in die gepolsterte Babybadewanne legen und mich mir selbst widmen. Wenigstens Zähneputzen wäre schön, damit ich nicht vollkommen stinkend bei der Tagesmutter auftauchen musste.
Die nächste Herausforderung ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Es war mittlerweile 7.45, um spätestens 8 Uhr mussten wir losfahren.
Ich nahm das Baby auf den Arm und das Trotzkopfkind an die Hand, um sie die Treppe hinunter zu begleiten. Ganz allein schaffte sie es noch nicht, war mir auch zu gefährlich.
Doch sie hatte gar nicht vor, die Treppe runter zu gehen. Stattdessen schrie sie „Mama ARM!“, fiel in sich zusammen wie ein nasser Lappen und brüllte sich in Rage, während sie (wohlgemerkt: am Treppenabsatz!) liegend, im Kreis rotierend mit den Füßen herum trat. Ein Traum. Das Baby auf dem Arm begann ebenfalls zu zappeln und jammerte, weil es schon wieder Hunger hatte.
Ich wollte am liebsten mit weinen, während ich versuchte, das Trotzkopfkind davon abzuhalten, sich die Treppe hinunter zu stürzen, das Baby im Arm zu stabilisieren und gleichzeitig motivierende Dinge versprach, um alle nach unten zu bewegen.
Fehlanzeige.
Gut, dass ich nicht geduscht hatte, denn ich war jetzt schon wieder nass geschwitzt.
Irgendwann war meine Geduld am Ende und ich zerrte das Trotzkopfkind in eine halbwegs stehende Position, um sie auf den Arm zu nehmen, zischte sie dabei an, sich zu beruhigen.
Dann balancierte ich mit Baby rechts, halb liegend, Trotzkopfkind links, unter den Arm geklemmt, die Stufen hinunter und betete, nicht zu fallen. Würde weh tun. Allen.
Tatsächlich schafften wir es unfallfrei.
Es war kurz vor acht. Der Drachenpapa hatte das Frühstück für das Trotzkopfkind schon vorbereitet, sie aßen immer gemeinsam bei der Tagesmutter.
Also nur noch schnell Schuhe und Jacke an und los.
Ha- ich hatte vergessen, dass das Trotzbaby Hunger hatte. Sie musste noch gestillt werden, sonst würde sie den ganzen Weg brüllen.
Zügig legte ich sie an, bat in der Zeit meine große Tochter darum, dass sie ihre Schuhe und Jacke holte. Pff… Man kann es ja mal versuchen.
„Brot essen!“, jammerte sie… Ich erklärte ihr, dass sie gleich bei der Tagesmutter frühstücken würde- kaum ausgesprochen, folgte der nächste Wutanfall. Gleiche Choreographie wie oben, diesmal mit zusätzlicheM „Sachen- weg- treten“. ….. 1…2…3….4….5… Atmen.
Das Baby hatte glücklicherweise fertig getrunken, ich steckte sie in ihren Maxicosi, ließ sie kurz schreien, weil sie nicht direkt einschlief, packte mir das Trotzkopfkind und setzte mich so auf sie drauf, dass ich ihr die Schuhe und Jacke anziehen konnte. Brutal, ich weiß- aber ich verspreche euch, sie hat es überstanden.
Das Trotzkopfkind brüllte weiter und weiter und sah gar nicht ein, sich Richtung Haustür zu bewegen.
Ich hatte die Nase voll und bot ihr, pädagogisch wertvoll, ein Beutel Fruchtmus an- Zack, war Ruhe. Sie bejahte strahlend und dackelte zum Auto. Toll.
Um 8.10 Uhr hatten wir es tatsächlich geschafft. Alle Kinder waren festgeschnallt, unbeweglich und ruhig. Es konnte losgehen. Guten Morgen allerseits.

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