Alltagsabenteuer,  Eltern, Menschen, Leben

Und das Abenteuer beginnt… plötzlich sind wir vier!

Wie ich in meinem letzten Beitrag erzählt habe, war die Zeit im Krankenhaus für mich sehr schwer und einsam. Getrennt von meinem Trotzkopfkind und dem Drachenpapa konnte ich es kaum erwarten, endlich unser Baby in den Händen zu halten. Auch wenn ich mir gleichzeitig wünschte, dass unsere Maus noch ein wenig im Bauch wachsen würde.
Ich hätte nie gedacht, dass alles plötzlich so schnell gehen würde.
Freitags, ich war nun genau eine Woche in der Klinik, hatte ich nochmal einen Termin zum Ultraschall bei einer mir recht unsympathischen Ärztin. Aber gut, hauptsache sie machte ihren Job.
Das CTG war unauffällig, auch der Ultraschall war nicht spannend, sagte sie. Ich fragte extra, ob wir den Gebärmutterhals messen könnten, denn bei meiner großen Tochter war das CTG auch unauffällig gewesen, der Gebärmutterhals verkürzt und zwölf Stunden später war sie da.
Die Ärztin teilte mir jedoch mit, dass das nicht nötig wäre, ich würde schon merken wenn es losgehen sollte.
Achsoo… dachte ich und zog relativ unbefriedigt ab.
Ich war nun bei Schwangerschaftswoche 36+ 2, meine Tochter war immer noch ein Frühchen. Aber vielleicht würde sie noch ein wenig durchhalten. Für sie musste ich die Zeit hier einfach überstehen.
Ich setzte mich auf mein Bett und regte mich bei meiner Mutter ein wenig über die (wie ich mittlerweile fand: saublöde) Ärztin auf und schimpfte mir den Frust von der Seele.

Kaum hatte ich mein Handy aus der Hand gelegt merkte ich, wie es um mich herum feucht wurde! Ich bekam Panik, dachte ich doch ernsthaft, dass ich mir gerade in die Hose pinkelte! Ich versuchte aufzustehen und zur Toilette zur rennen, aber das Wasser lief und lief weiter.
Ich brauchte ein paar Sekunden, bis ich checkte, dass meine Fruchtblase geplatzt war. Mein Gott, wie viel kam denn da noch raus?? Meine Klamotten waren klatschnass, das Bett auch und ich zog eine Spur hinter mit her bis ins Bad.
Als ich die Schwester gerufen hatte, hinterließ ich meiner Mutter eine kurze Info. Sie rief den Drachenpapa an, der mit dem Trotzkopfkind gerade auf einem Kindergeburtstag war.
Aus sicheren Quellen weiß ich, dass er wie ein aufgeregtes Huhn durch den Raum hüpfte, in Windeseile herum organisierte und das Trotzkopfkind dann beim Geburtstag ließ, um zu mir zu kommen. Ich hoffte einfach, dass er noch normal fahren konnte, während ich in den Kreissaal geschoben wurde!
Dann endlich war er bei mir. Ich lag im Bett, hatte leichte Wehen, das Wasser lief immer noch… Die Hebamme erklärte mir, dass das bis zur Geburt nicht aufhören würde… Mhm. Super Gefühl, diese Feuchtigkeit.
Auch bei dieser Geburt war ein Kaiserschnitt geplant. Ich wusste ja, wie das ablaufen würde und hatte daher nicht soviel Angst- außer vor der ersten Spritze, die meinen Unterleib betäuben sollte.

Gegen 19 Uhr ging es endlich los. Ich wurde in den OP geschoben und wartete dann sitzend darauf, die Spritze zu bekommen. Tatsächlich hatte ich dabei so Angst, dass ich die Hand des Drachenpapas fast zerquetschte und so sehr meinen Kiefer verkrampfte, dass ich den Mund bis heute noch nicht vollständig öffnen kann (kein Witz!).
Dann endlich war alles betäubt. Ich lag auf der Liege, spürte, wie die Ärzte an mir herum wurschtelten (keine Schmerzen natürlich) und wartete darauf, unser Baby zu sehen… oder hören.

Und plötzlich war sie da! Noch bevor ich sie sehen konnte, hörte ich unser Trotzkopfbaby! Ein kräftiger, langer Schrei, dann war sie bei mir. Mein Gott, auch sie war so schön… und sah genauso aus, wie ihre große Schwester. Buschige, schwarze Haare auf dem Kopf.
Der Drachenpapa weinte vor Freude und umarmte unser Baby.
Dann wurde sie für die Erstversorgung weg gebracht.
Die Ärzte begannen nun, meine Wunde zu nähen und zu versorgen. Ich hatte noch im Kopf, dass das beim letzten Mal etwas unangenehm war. Doch SO schlimm, war es beim Trotzkopfkind nicht. Ich spürte keine Schmerzen, aber ich merkte, wie die Ärzte an mir herum hanitierten- und dann wurde mir übel. Sehr sehr übel. So schlimm, dass neben mir eine Schwester mit Beutel Platz nahm, in den ich hinein würgte, während sie mich beruhigte. Übergeben konnte ich mich nicht- fluchen umso besser. „Scheisse!“, rief ich ungefähr fünfmal beim Luft holen.

Als ich es endlich überstanden hatte, wurde mein Mann zum Baby geholt und konnte sie noch eine Weile halten, bis ich dazu geschoben wurde.
Sie war so süß.
Aufgrund ihres Herzfehlers kam sie kurz darauf direkt auf die Intensivstation, da würden wir sie besuchen können. Ich erholte mich erst einmal, bekam etwas zu essen und zu trinken und informierte die Familie über unsere kleine Tochter. Bei allen herrschte Erleichterung und Freude.
Etwas später am Abend schickte ich den Drachenpapa nach Hause. Er würde unsere Große abholen, nach Hause fahren und schlafen. Heute konnten wir unser Baby nicht mehr sehen, dann sollte er sich besser erholen.
Zwischendurch kam der Arzt zu mir und kontrollierte meine Narbe. Dann durfte ich in mein Zimmer- ich wollte nur noch schlafen und die Schmerzen überstehen.

Am nächsten Morgen konnte ich endlich meine Tochter auf der Intensivstation besuchen. Obwohl ich das alles kannte, mein Baby voller Schnüre, Kabeln und Atemmaske, hatte ich das doch schon bei unserer Großen erlebt, schockierte mich der Anblick trotzdem sehr.
Sie war so klein und zierlich! Man konnte sie kaum erkennen und doch war ich glücklich. Sie war unglaublich süß mit ihren winzigen 47 Zentimetern.

Der Arzt erklärte mir, dass sie vorerst etwas Atemunterstützung bekam, ansonsten aber stabil war.
Da die Operation in naher Zukunft stattfinden sollte, erhielt sie ein Medikament, welches den Ductus offen halten sollte. Wie lange, das war noch nicht klar.
Vorerst musste sie sich von der Geburt erholen und Kraft sammeln. Genauso wie ich. Vor uns lagen noch einige Herausforderungen.

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