Schwangerschaft & Geburt

Abschied von zuhause, Teil 1

Alles hat sich verändert. Von einen auf den anderen Tag.
Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen… ich befinde mich nun seit 4 Tagen in der Uniklinik. Geplant war das nicht und schwanger bin ich immer noch. Aber was lässt sich schon planen in diesem Leben?
Vor über einer Woche hatte ich Termine in der Uniklinik. Darunter einen Ultraschall mit dem Kinderkardiologen, dem Professor, der unser Baby operieren würde, danach Besprechungen mit dem Anästhesisten, Blutabnahmen und, und und.
Ich fuhr danach mit meiner Mutter nach Hause und stellte mich darauf ein, hoffentlich erst in drei Wochen, am Tag des Kaiserschnitts, wieder hier einkehren zu müssen.

Zwei Tage später hatte ich einen ganz normalen Kontrolltermin bei meiner Gynäkologin. Ich gab meine Urinprobe ab, der Blutdruck wurde gemessen und war etwas zu hoch, das Wasser in meinen Beinen wurde dokumentiert. Ich musste dieses Mal gar nicht lange warten und wurde direkt zur Untersuchung rein gerufen. Ergebnis: Gebärmutterhals noch nicht verkürzt, alles soweit in Ordnung. Also nur noch schnell ans CTG und dann ab nach Hause.
Ich freute mich, dass ich so schnell durchgekommen war, denn da Trotzkopfkind hatte ich bei der Oma abgeben müssen und konnte sie dort gleich wieder einsammeln. Dann stand ein Spielenachmittag bei meiner (und ihrer) engen Freundin an. Kaffee, quatschen, Mädchenzeit. Hurra!
Nach Beendigung des CTGs zog ich meine Jacke an und wartete ab, dass meine Frauenärztin einen Blick auf das Ergebnis warf- doch stattdessen stand sie plötzlich vor mir.
Ich hatte irgendwie schon so ein Gefühl gehabt, es aber auch die allgemeine Situation geschoben; jetzt bewahrheitete es sich: Mein CTG zeigte leichte Wehentätigkeit an. Mit meiner Vorgeschichte, der Herzsache des Babys und aus Sicherheitsgründen wurde ich nicht nach Hause, sondern ins Krankenhaus geschickt.  Reine Vorsichtsmaßnahme.

Ätzend fand ich das natürlich trotzdem. Heute war ich in der 36. Schwangerschaftswoche, 35+2… Der Tag an dem ich in der Schwangerschaft mit dem Trotzkopfkind erfahren hatte, dass sie unterwegs war. Deshalb auch das Gefühl heute Morgen.
Aber das sollte jawohl ein Scherz sein- unser Baby wollte bitte nicht ihrer großen Schwester nacheifern und auch über vier Wochen zu früh kommen??

Es nutzte nichts, sich den Kopf zu zerbrechen. Ich fuhr nach Hause, holte meine Kliniktasche (ich empfehle euch: habt sie im AUTO! Nicht zuhause. Sehr dämlich.), sprach und organisierte alles mit meinem Mann und fuhr in die Uniklinik. Ich fuhr allein, er sollte nicht kommen… wieso auch? Es war ja erstmal eine Kontrolle.

Natürlich musste ich drei Stunden warten, das Spieldate war somit hin. Aber gut, in der Uniklinik ist das nun mal normal… Dann wurde ich endlich mehrfach untersucht. Vier- Augen- Prinzip, also zwei Ärzte, Urinproben, Blutdruck, CTG und Ultraschall.
Das volle Programm…
Am frühen Abend endlich ein Ergebnis: Das CTG schlug nicht an, der Rest war okay. Ich durfte nach Hause, sollte aber am nächsten Morgen noch einmal zur Kontrolle wiederkommen. Ich war so dermaßen erleichtert und erschöpft. Doch glücklich fuhr ich zu meinem Mann und meiner Tochter.

Am darauffolgenden Morgen, es war ein Freitag, stand ich vor sechs Uhr auf und machte mich fertig. Meinen Mann konnte ich verabschieden, das Trotzkopfkind schlief jedoch tief und fest. Um sie nicht zu wecken, gab ich ihr nur einen Kuss auf ihr Bein. Ich war hundertprozentig sicher, heut Mittag wieder im Wohnzimmer zu sitzen und später sowohl unser Spieldate, als auch sehr viel Gekuschel nachzuholen.

Pünktlich um acht Uhr saß ich also, wieder einmal und nun zum vierten Mal in dieser Woche, im Wartezimmer der Frauenklinik und wartete darauf, schnell die letzte Kontrolle hinter mich zu bringen, um endlich noch etwas Abstand von hier zu gewinnen- jedenfalls bis zur Geburt. Ich dachte an mein Trotzkopfkind, daran, dass sie nur noch drei Wochen Einzelkind war und das unsere letzten drei Wochen mit ihr alleine waren. Diese Zeit, die Möglichkeit, immer und durchgehend mit ihr zu kuscheln, sie ganz für uns zu haben, wollten mein Mann und ich die letzten Tage voll und ganz auskosten und genießen.

Endlich wurde ich aufgerufen. Der Arzt wollte mich zur Kontrolle nochmal komplett durchchecken, ich gab wieder Urin und Blut ab und musste noch einmal ans CTG.
Glück gehabt… Das CTG war absolut ruhig. Ich atmete tief durch. Glück gehabt.

Der Arzt macht mir Mut, er wollte nur noch schnell die Blutergebnisse ansehen. Also öffnete er das Dokument… und schwieg. „Könnten Sie nochmal ´ne Urinprobe abgeben?“, bat er mich.
Ich stutzte… Das gefiel mir nicht… Aber gut, dass Schwangere immer pinkeln können.
Kaum war ich fertig, machte der Arzt einen Schnellest. Ich musste warten. Boa, ich würde hier noch durchdrehen! Langsam begannen meine Hände zu zittern und ich schwitzte… Was war jetzt los?

Dann endlich war alles erledigt, der Arzt setzte sich mir gegenüber und schaute mich an. „Sie haben Eiweiß im Urin. Und ihr Blutergebnisse sind nicht optimal. Es sieht aus wie eine beginnende Gestose. Sie müssen hier bleiben.“

Zack… DAS WAR´S ! Hier bleiben… nicht nach Hause?? Wie lange?, schoss mir durch den Kopf? Ich musste doch zum Trotzkopfkind. Ich hatte mich heute Morgen doch gar nicht richtig verabschiedet! Ich konnte sie weder drücken noch küssen, ihr nicht Tschüss sagen. Wie sollte sie verstehen, dass ich heute Abend nicht heim kommen würde?

Wir regelten erstmal alles zur stationären Aufnahme, dann konnte ich meinen Mann anrufen und ihm berichten. Auch er war schockiert, um es gelinde zu sagen. Er war kurz davor, die Fassung zu verlieren. Doch wir einigten uns darauf, ruhig zu bleiben. Nun mussten wir erstmal die Tage bis zur Geburt schaffen, danach konnten wir weitersehen. Er hatte insgesamt dreieinhalb Wochen Urlaub, zwei nahm er sich nun sofort.

Als ich aufgelegt hatte, begab ich mich kurz ins Badezimmer… und dann brach ich zusammen. Ich heulte und schluchzte, bemitleidete mich selbst, meine Familie und mein Baby. Gerade wusste ich nicht, wie ich und auch wir das alles schaffen sollten.
Es lagen nun bis zu drei Wochen Krankenhaus vor mir, wenn unser Baby denn bis zur Geburt durchhalten sollte. Dann erst war der Kaiserschnitt, die Herzoperation und die Genesung… wir würden zwischen drei und sieben Wochen in der Uniklinik sein- wenn auch ich mal ein, zwei Nächte zuhause schlafen würde.
Das bedeutete, dass ich ab jetzt mein Trotzkopfkind nicht mehr selbst ins Bett bringen würde. Keine Abendrituale. Kein Nach Hause kommen und sie abholen, mit ihr Abendessen, Kuscheln, wann immer wir es brauchten und… keine Zeit mehr, die letzten Tage mit ihr allein zu genießen.

Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich beruhigte mich und atmete tief durch. Heulen hatte mir geholfen. Aber nur in diesem Moment. Ich würde heute ein Zimmer bekommen und dann auf der Station einziehen.
Nun hieß es, stark bleiben… durchhalten. Wir mussten dadurch. Wir hatten keine andere Wahl, als das durchzustehen. Gemeinsam.

 

 

Fortsetzung folgt…

18 Kommentare

  • Kerstin

    Ach du Arme ?,
    Der Zusammenbruch, das Weinen, ist völlig normal und selbstverständlich in dieser Situation. Im „Kleinen“ hab ich sowas auch erlebt.
    Nach einer äußeren Wendung im KH mit anschließenden supoptimalen CTGs hieß es auch: Sie bleiben hier, Einleitung!
    Traf mich auch hart, weil ich wusste der Einzelkind-Countdown war vorbei, jetzt verändert sich alles….
    Und das hat es nicht auch, aber nicht ins Schlechte! Wir alle lieben unsere 2. Maus und bereuen das Geschwisterbaby überhaupt nicht ?
    Ich wünsche dir alles Liebe! Gutes Durchhalten und gute Nerven! Ihr werdet das packen ??

    • kbartholome

      Liebe Kerstin, vielen vielen Dank für deine Nachricht. ♥️

      Ja, heute geht es mir auch besser als gestern, gestern war ich nervlich vollständig am Ende. Ich hab auch immer noch eine totale Angst.. aber gut. wir schaffen das.

      Danke dass du mir Mut machst !! ♥️

  • Bianca

    Das mit dem Einzelkind noch kuscheln wollen und die Zeit mit ihm allein einsaugen kenne ich. Dann musste ich mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus.
    Halte durch, alles wird gut! ❤️
    Ich bleib auf jeden Fall „bei dir“ und Fieber mit (klingt irgendwie mega doof, ich hoffe du weißt was ich meine)
    Grüße Bianca

    • kbartholome

      Liebe Bianca, vielen vielen Dank!!

      Ja, ich weiß, was du meinst und es hilft mir total, andere „Schicksale“ zu hören.

      Danke ❤️

      • Regina⁶

        Da kommt bei mir gleich alles wieder hoch und ich muss mitheulen! Mein kleiner kam 7 Wochen zu früh und ich musste einen Monat im KH verbringen. Völlig unerwartet und ohne das ich meinen Großen vorwarnen konnte…
        Mittlerweile ist der Kleine 10 Monate und es ist alles gut!

        Wünsch euch alles, alles Gute und fühl dich gedrückt!

  • Bee

    Ihr habt es bald geschafft! Tief durchatmen und – da Du jetzt zwangsweise ausruhen musst – Kraft tanken für die nächsten Tage und Wochen….
    Danke Dir für die offenen Worte und dass Du Dir die Zeit für den Blog nimmst. Ich glaube jede Mama (und auch Papa) hat an irgend einem Punkt in der Schwangerschaft Ängste durchlebt und kann mit euch mitfühlen.
    Alles Gute unbekannterweise!

    • kbartholome

      Hallo ?

      Vielen Dank für deine Worte… Ich weiß, auch wenn es schwer ist, dass wir nun dadurch müssen und ich Kraft tanken muss. Das werde ich auch. Für meine Kinder und Familie.

      Alles liebe dir… ♥️ Von Herzen.

  • Marina

    Erstmal alles gute.
    Aber warum nimmt sich dein Mann Urlaub wenn er das Kind betreut?
    Er kann über die Krankenkasse als Haushaltshilfe laufen und wird somit von der Krankenkasse bezahlt. Sein Arbeitgeber stellt ihn lediglich von der Arbeit frei.
    So braucht er doch seine Urlaubstage nicht aufbrauchen?!

    Alles gute für die anstehende Geburt ?

    • kbartholome

      Hallo liebe Marina.. danke für deine Nachricht und deine Tipps mit der Haushaltshilfe.
      Ich habe das alles geklärt, sie würden uns zwar eine zur Verfügung stellen, doch leider nur ein paar Stunden. Dadurch hätten wir ein Minus in der finanziellen Situation.
      LG und alles gute.

      Katharina

  • Chrisi

    OMG. Wir denken im hohen Alter nun noch über ein zweites Kind nach. Dein Bericht macht mich nachdenklich. Zeitgleich wünsche ich dir natürlich eine gute Geburt und kann dich beruhigen. Ich hatte ein HELLP Syndrom, das ist eine besondere Form der Gestose. Von dem Kaiserschnitt habe ich 35+5 ca 4 Stunden vor diesem erfahren. Unsere Tochter ist topfit und kerngesund!
    Alles wird gut – liebe Grüsse
    Chrisi

    • kbartholome

      Liebe Chrisi,

      Vielen Dank dir! Ich bin hier wirklich in guten Händen und werde gut überwacht…das ist auch besser so.
      LG und alles gute!!

  • Babaha

    Ich kann sehr gut mit dir mit fühlen. Ich hatte auch eine Gestose. Bei mir hat sich das aber wieder mit Hilfe von Blutdruckmedikamenten eingependelt und ich konnte nach drei Tagen wieder nach Hause.
    Ich wünsche dir, dass du auch das Glück hast!

    • kbartholome

      Liebe Babaha.

      Vielen Dank.. nach Hause vor Geburt ist definitiv nicht drin. Die Werte sinken. Aber ich bin ganz froh, denn ich werde gut kontrolliert.
      LG

  • Katrin

    Hey,

    Wir sind Frühcheneltern, hatten als unser Würmchen geboren wurde, über 10 Wochen zu früh, auch noch unsere „Große“ (damals 21 Monate) daheim…Ich würde behaupten ich weiß was du durch machst und wie schrecklich es ist, man fühlt sich als würde man in einer verkehrten Welt leben. Man möchte sich am liebsten zweiteilen, einerseits ist vom Verstand her total klar das man im Krankenhaus bleiben muss, schließlich soll der Bauchzwerg noch so lange wie möglich drin bleiben, andererseits möchte man auch zu der Großen nach Hause, wie du schon schreibst, die letzte Zeit genießen, kuscheln, schmusen, küssen alles was dazu gehört. Aber das kann man ja nunmal leider nicht. Ich war insgesamt 11 Tage schwanger im Krankenhaus und danach waren wir 2 Monate im Ronald Mcdonald Haus und unser Würmchen erst auf der Neo und dann auf der normalen Frühchenstation. Die Zeit grad zu Anfang erlebte man wie in Trance… Was mir wirklich geholfen hat im Krankenhaus und auch danach war das weinen, aber auch das zusammen weinen mit eventuell deiner Zimmernachbarin oder so. Ich hatte dort auch zwischendurch psychologische Betreuung weil ich diesen inneren Spagat nicht aushalten konnte, war auch wirklich hilfreich. Auch Gespräche mit „Gleichgesinnten“. Und was ich dir natürlich wünsche, was mich die ganze Zeit auch hat durchstehen lassen, dass du eine so großartige Familie hast wie wir sie haben. Ich wusste egal was war, ich konnte immer anrufen. Wenn wir wirklich mal zu zweit im Krankenhaus oder Rmd-Haus wären, wüsste ich das die Große immer super gut aufgehoben war und es ihr immer gut ging.
    Ich wünsche dir ganz viel Durchhaltekraft und euch zusammen alles Gute für die Zukunft und das euer Bauchzwerg alles mit bravur meistert was ihm noch bevor steht.
    Viele Grüße

    • kbartholome

      Liebe Katrin,

      Vielen Dank!! Unsere große war auch ein Frühchen und hat sich toll entwickelt .
      Die kleine jetzt ist auch stark, und sie wird das schaffen. Wir müssen durchhalten. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

  • Ni Na

    Guten Morgen, ich sende dir mal gute Gedanken von einer Herzchenmama zur anderen. Als ich 2013 mit meinen Zwillingsjungs schwanger war, wusste ich nicht, was mich nach der Geburt erwarten würde. Am ersten Tag war alles noch gut, einer hatte ein paar Anpassung Schwierigkeiten und leider konnten wir nicht kuscheln, weil ich nach dem Kaiserschnitt fertig war und die beiden im Brutkasten waren. Am nächsten Morgen haben die Ärzte uns dann gesagt, dass K1 weiter Schwierigkeiten hatte, so dass Sie in der Nacht noch Untersuchungen gemacht hatten und klar war unser kleines Würmchen hat einen Herzfehler. Wir hatten noch ca dreißig Minuten, dann wurde er in die Uniklinik verlegt und weg war er. K2 und ich wurden nicht verlegt. Mein Mann fuhr natürlich mit in die Uniklinik. Ab da begannen die Tage des Wartens und der Verzweiflung. Wir funktionierten einfach nur und am dritten Tag entließ ich mich mit dem eigentlichen Okay der Ärzte selbst. Ab da wurde auch ich durchgecheckt, Blut abgenommen für den Ernstfall, etc. Diese sechs Tage bis er operiert war, waren die Hölle, die fünf Wochen bis er zuhause war, waren ein Auf und Ab. Aber: heute ist alles gut! Kaum zu glauben, dass der Wirbelwind gerade neben mir sitzt und zufrieden sein Brot mampft. Auch wenn das alles gerade nicht einfach ist, lohnt es sich. Halte durch und wenn es zu viel ist, darf man auch mal weinen, was das Zeug hält.

    • kbartholome

      Liebe Nina, vielen vielen Dank für diese Nachricht… Es macht mir total Mut, dass deine zwei jetzt so fit neben dir sitzen! Die Kleinen sind stärker als man denkt.. alles Liebe und Gute wünsche ich euch!

  • Jennifer

    Hallo meine liebe ❤️
    Ich habe leider 2017 genau das gleiche erlebt. Wochen Spital und bei 35+5 eingeleitet worden. Mein erster Sohn und mein Mann waren damals auch zuhause und mir hat es jedes Mal das Herz zerbrochen wenn ich an ihn denken musste. Aber als der kleine zwerg dann geboren war is es mit mir rapide bergauf gegangen und die Werte haben sich schnell erholt.

    Ich wünsche dir noch alles Gute weiterhin.
    Lg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.