Schwangerschaft & Geburt

Baby unterwegs! – Teil 3: Sorgenvolle Tage

Wir waren Eltern! Kaum zu glauben, dass wir nun ein wunderschönes, kleines Mädchen bei uns hatten! Oder eben nicht bei uns. Unsere kleine Maus lag auf der Intensivstation, die nicht mal eben in der Nähe meines Zimmers lag, sondern den elendig- langen Gang hinunter, um die Ecke und einen weiteren Gang entlang. Sehr weit weg.
Nach der Geburt verbrachten mein Mann und ich, die frischgebackenen Eltern, die erste halbe Stunde auf meinem Bett und warteten darauf, unsere Tochter besuchen zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, es vergingen Jahre. Doch dann durften wir sie sehen. Ich wurde mitsamt meines Bettes auf die Intensivstation geschoben. Endlich waren wir bei unsere Tochter! Sie war so winzig, wie sie da in ihrem Kasten lag; eingewickelt in eine warme Decke, ganz schrumpelig und gelb, ein Mützchen auf dem Kopf- sie war so wunderschön! Auch die vielen Schläuche an ihrer Nase, am Mund, an den kleinen Händen, all das konnte ihrer Schönheit nichts anhaben. Sie war einfach perfekt.
Wir durften sie anfangs nicht aus dem Kasten heraus holen und mussten uns daher damit begnügen, dass sie mit ihrer winzigen Hand unsere Finger umklammerte.
Nachdem wir lange gewartet hatten kam glücklicherweise eine Ärztin und legte mir meine Tochter auf den Bauch. Ich platzte fast vor Glück. Meinem Mann ging es nicht anders. Stundenlang kuschelten wir abwechselnd. Dieses Gefühl, unsere kleine Maus zu spüren, dieses Wunderkind zu berühren und ihren Duft einzuatmen ist einfach unbeschreiblich!
Wir beide weinten, als wir sie wieder verlassen mussten. Mein Mann brachte mich zurück auf mein Zimmer, dann musste auch er sich verabschieden. Die Woche der Geburt war für ihn die Woche der Abschlussprüfungen. Vor ihm lagen einige harte Tage.
Dann war ich allein. Mein Baby war weg. Mein Mann war weg. Dann rief auch noch meine Mama an. Und schon war es vorbei. Kaum hörte ich ihre Stimme, begann ich zu schluchzen. Ich ließ den ganzen Stress, meine Sehnsucht nach meinem Baby und die Verzweiflung, es nicht bei mir zu haben, heraus. Danach ging es mir besser.
Die folgenden Tage und Nächte verbrachte ich zwischen Kurzschlaf- Phasen, durch den Flur rennen, um mein Kind zu füttern und wieder zu schlafen.
Der Maus ging es zum Glück nach drei Tagen so gut, dass sie verlegt werden konnte- trotzdem nicht zu mir. Trotz mehrfacher Diskussionen mit dem Arzt hatte ich keine Chance, ein Zimmer mit meinem Kind zu bekommen; erstens war alles voll und zweitens würde sich das eh nicht lohnen- ich würde ja bald entlassen werden. Frechheit! Mädels, ich sage euch eins: lasst das nicht auf euch sitzen. Ihr wisst, was für euch und euer Kind am besten ist.
Ich ging anfangs alle vier Stunden zum Füttern auf die Station. Dann hob ich mein Baby aus dem Kasten und gab ihr ein Fläschchen abgepumpte Milch. Es war unfassbar anstrengend sie zu füttern, da sie Schwierigkeiten mit dem Trinken hatte, total unruhig war und kaum Milch zu sich nahm. Ich war froh, dass wir es am zweiten Tag auf 20 Milliliter pro Mahlzeit brachten. Aus diesem Grund hatte sie auch eine Magensonde. Ich versuchte es erst nach dem dritten Tag mit dem Stillen. Ehrlich gesagt kam keine Schwester aktiv auf mich zu und fragte mich, ob ich Unterstützung brauchte- die hätte ich nämlich brauchen können. Ich versuchte es einfach selbst mit dem Anlegen, doch das war einfacher gesagt, als getan. Die Schwestern kamen immer erst dann, wenn sie meine Verzweiflung sahen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern war jedoch ziemlich negativ, der Umgangston sehr hart- ich glaube, ich traute mich einfach nicht, selbst zu fragen.
Doch zum Glück änderte sich das Problem mit dem Stillen plötzlich. Ich war wieder mal vor Anspannung nass geschwitzt, als eine der ruppigeren Schwestern zu mir kam, vor der ich fast ein wenig Angst hatte. Ich dachte nur: Oh nein, bitte nicht sie… Sie stürmte auf mich zu, lächelte mich an und sagte:“ Kommen Se, isch mach´ dat mal!“ Zack- hatte sie meine Brust in der Hand, schob sie zurecht und drückte mein Kind an mich dran. Angedockt. Fertig. Das Baby trank! Und man glaubt es kaum, ab diesem Zeitpunkt war das Stillen weniger problematisch.
Nachdem ich dann jedes Mal gefüttert hatte, kuschelte ich noch so lange wie möglich mein Baby, pumpte dann den Rest der Milch ab (das dauert, wie ihr wisst), machte alles für die nächste Mahlzeit bereit, trennte mich weinend von meinem Baby und ging für zwei Stunden schlafen- bis der Wecker mich zum nächsten Stillen weckte. Am liebsten hätte ich nicht geschlafen und wäre bei meinem Baby geblieben. Weil die Maus so schlecht trank, wollte ich den Stillrhytmus auf drei Stunden verkürzen. Tatsächlich musste ich das mit viel Ärger mit den Schwestern diskutieren, die mir erzählen wollten, dass ich das Baby lieber schlafen lassen sollte, weil das Stillen purer Stress für das Baby sei- damit verunsicherten sie mich als Erstmama völlig. Doch im Endeffekt diskutierten wir (ich nur dank der Unterstützung meiner Ziehmama- Danke, H.!!!) das aus und ich setzte mich für MEIN Kind bei MEINER Entscheidung durch.
Ich war fix und fertig.
Auch mein Mann ging auf dem Zahnfleisch. Er arbeitete tagsüber, fuhr die anderen Tage in die Berufsschule zur Klausur und kam von dort noch kurz im Krankenhaus vorbei.
Jeden Tag wurde unsere Tochter gewogen. Anfangs nahm sie noch 300 Gramm ab, doch dann ging es glücklicherweise endlich aufwärts. Stetig legte sie an Gewicht zu. Und nach sieben endlos langen Tagen voller Einsamkeit, Verzweiflung, Liebe und Stress war es so weit- der Tag der Entlassung war angebrochen.
Es dauerte drei Stunden, bis der Arzt bei uns war, der die letzte krankenhausinterne Untersuchung durchführte. Als er zufrieden mit Gewicht, Gesundheit und Trinkverhalten war, durften wir endlich nach Hause.
Meine Freundin holte mich ab, weil mein Mann es nicht rechtzeitig schaffte- wir würden uns zu Hause treffen.
Ich war sowas von aufgedreht, doch gleichzeitig sehr erleichtert. Endlich in die eigenen vier Wände.
Stolz wie Oskar und glücklich trug ich zuhause mein Baby im Maxicosi ins Haus und legte sie in ihre Decke. Dann gönnte ich mir eine Verschnaufpause und setzte mich in den Sessel. Ich strahlte vor Glück.
Zwei Minuten später kamen meine Eltern und mein Mann herein. Ich schaute meiner Mama ins Gesicht- und brach in Tränen aus.
Ich hatte es geschafft. Alles war gut.

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