Eltern, Menschen, Leben

Geheime Mama- Sehnsüchte

Es ist eine Weile her, dass ich einen Beitrag veröffentlicht habe; damals ging es darum, dass wir nicht wussten, ob unser Kind gesund auf die Welt kommt.
Und tatsächlich habe ich nach diesem Bericht einige Reaktionen erhalten. Positive und negative.
Natürlich handelte es sich um ein sehr sensibles Thema, in dessen Rahmen ich jedoch nie jemanden verurteilt habe- dennoch wurde ich verurteilt, weil wir uns im Endeffekt gegen ein Kind entschieden hätten, wäre das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung anders ausgefallen. Glaubt mir, dieser Gedanke beschäftigt mich immer noch. Ich fühle mich immer noch als ein furchtbarer Mensch, wenn ich über die Zeit und unsere Entscheidung nachdenke. Aber es ist unser gutes Recht, so zu denken- und zu handeln.
Mich hat es getroffen und schockiert mich immer noch, wenn ich spüre, wie wenig die Entscheidung, die wir getroffen hätten, akzeptiert wird. Stattdessen wird man verurteilt.
Es wäre wichtig, gerade in unserer heutigen Gesellschaft, sich und anderen Menschen mehr Respekt, Akzeptanz und Toleranz entgegen zu bringen. Wir brauchen Menschlichkeit, Freude und Mut. Das sollte Teil unseres Lebens sein.

 

Nun aber zu meinem ursprünglich geplanten Beitrag…
Mittlerweile befinde ich mich in der 31. Schwangerschaftswoche. Unser Baby hat sehr gute Werte, wächst und gedeiht, doch trotzdem liegt nach der Geburt eine Herz- Operation vor uns. Ich hatte darüber kurz berichtet- wir werden das gemeinsam schaffen, das kleine Mädchen in meinem Bauch ist genauso stark wie ihre große Schwester!

Seit Monaten bin ich nun zuhause und lasse das Baby wachsen, seit über zwei Jahren bin ich nun Mutter.
Ich liebe es, wirklich. Mutter zu werden war die beste Entscheidung meines Lebens. Und auch wenn ich viele, viele Tage habe, an denen ich mich gerne in ein Räumchen einsperren und alles andere aussperren würde, gibt es jeden Tag irgendetwas schönes, was alles andere wieder wett macht. Grund dafür ist unser Trotzkopfkind. Sie muss nur lächeln und ich vergesse, was für einen sturen, eigensinnigen Dickschädel sie besitzt. Auf unsere zweite Zicke freue ich mich nun genauso wie auf die Erlebnisse mit ihr. Wieder kuscheln, stillen, Babyzeit, sie beim Aufwachsen beobachten- es gibt Dinge, die gehen zu schnell vorbei, man muss sie einfach noch intensiver erleben.

Glücklicherweise habe ich einige Freunde mit Kindern, beziehungsweise kaum noch Freunde ohne Kinder. Es ist total schön, gemeinsam die Zeit als Eltern zu erleben, zu sehen, wie sich die Kids miteinander anfreunden, zusammen spielen, zanken oder Abenteuer erleben und wir als Mütter (oder Väter) daneben sitzen und gemütlich einen Kaffee trinken (Oder ein Bier! Irgendwann wieder…).
Ich lebe heute ein völlig anderes Leben, als vor fünf Jahren; mein Alltag dreht sich um das Trotzkopfkind, ich plane und organisiere um sie herum, für sie und zwischendurch mal für mich.
Es gibt nicht viele Momente, in denen ich Zeit nur für mich oder wir für uns als Paar haben. Das Trotzkopfkind hat noch nicht bei Oma und Opa geschlafen, so dass wir mal einen Abend mit Nacht hätte, aber auch das soll so sein. Wir haben uns bewusst und aus verschiedenen Gründen dafür entschieden, damit zu warten- und hinter dieser Entscheidung stehen wir. Wir werden unsere Abende wieder bekommen, wenn der richtige Zeitpunkt da ist.
Natürlich gehe ich trotzdem hin und wieder raus. Ich treffe mich mit meinen Mädels, wir unternehmen irgendetwas, gehen essen oder etwas trinken. Meine Freunde haben sich auf die wichtigsten Menschen in meinem Leben reduziert und damit bin ich glücklich. Man sollte die Zeit nur mit denen verbringen, für die man beide Hände ins Feuer legen würde. Das mache ich mittlerweile auch.

Doch obwohl ich mein Leben mag, mit allen Dingen, für die ich mich entschieden habe, wie zum Beispiel das Studium, der Wohnort und, und und, habe ich manchmal Momente, in denen ich nachdenklich werde.

Ich kenne tatsächlich den Grund: Mir fehlen ab und zu Aspekte des alten Lebens. Meiner „Jugend“.  Ich werde nun mal dieses Jahr dreißig, meine Priorität ist meine Familie.

Aber früher war einfach alles spontaner, wilder… anders. Wir sind oft raus gegangen, waren manchmal Freitags und Samstags feiern, haben uns in Bars und ranzigen Kneipen getroffen und über Gott und die Welt philosophiert. Ich hatte Kontakt zu Menschen, die so viel mit mir erlebt und durchgestanden haben.
Leider haben sich einige Kontakte verloren oder sind im Sande verlaufen. Und auch wenn es bei dem ein oder anderen gut so ist (längst nicht bei allen!), fehlt mir die Zeit mit ihnen. Sie fehlen mir.

Tatsächlich wärmen sich einige Beziehungen gerade wieder auf. Es ist schwierig und ein sehr holpriger Weg, denn man trifft sich nicht mal eben in der Woche. Jeder ist mit seinem Kram beschäftigt, Familie, Job, Freizeit.
Ich merke, wie viel Mühe ich teilweise in die Beziehungen stecken müsste- wenn ich das mache und die Gegenseite auch, wird die Bindung wieder fester.
Es gibt zwei, drei Leute, an denen ich hänge und bei denen ich mich wirklich bemühe, den Kontakt aufrecht zu erhalten.
Versteht mich nicht falsch, ich bin im absolut richtig in meinem Leben- so wie es jetzt ist.
Aber es tut mir so gut, sich mit jemandem zu treffen und weder über kindliche Entwicklungsschübe, noch über schlechte Schläfer, volle Windeln oder irgendetwas anderes zu reden, das mit Kindern und Erziehung zu tun hat.
Natürlich wird das nun erstmal wieder der Fall sein, sobald unser Baby auf der Welt ist- und ich möchte keine meiner Freundinnen mit ihren Kindern missen! Ich bin dankbar für ihre Freundschaft, die hoffentlich ewig hält!

Doch ich genieße einfach die Momente, in denen ich die Mama in mir zurück stellen kann- denn ich bin immer noch ich.

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