Schwangerschaft & Geburt

Ziemlich schwanger- oder nicht? (Teil 2)

Ich konnte es kaum glauben. Trotz der Blutungen und der negativen Tests war ich schwanger. Ganz offensichtlich. Ziemlich schwanger sogar, sagte der Test. Wie weit konnte ich sein, wenn der Strich schon so dunkel war? In der zweiten oder dritten Woche erahnte man doch eher eine zweite Linie und hoffte einfach darauf, sich nicht zu viel einzubilden.
Doch diese Linie war dunkelrot. Ich musste mindestens in der fünften Woche sein, wenn nicht sogar weiter.
Aber es half nichts. Schätzen war nicht drin, ausrechnen schon mal gar nicht. Ich musste wohl oder übel abwarten.
Als ich beim Gynäkologen anrief und erwähnte, dass ich irgendwo am Anfang stehen musste, schlugen sie mir einen Termin in vier Wochen vor. VIER Wochen? Das sollte jawohl ein Scherz sein!
Ich weiß, dass es normal ist, wenn die Ärzte auf Nummer sicher gingen und erst spätere Termine vergaben. Daran ist ja auch nichts verkehrt.
Für die Schwangeren bedeutet das: Geduld. Ausharren. Warten. Auf heißen Kohlen sitzen. Man möchte ja nun mal einfach schnell eine Bestätigung haben.
Doch als ich der netten Dame am Telefon sagte, dass der Strich schon sehr deutlich zu erkennen war ließ sie sich erweichen und gab mir einen Termin, der schon in der folgenden Woche lag. YES! Glück gehabt!
Oh man, ich war so gespannt! Aber immerhin musste ich nun nur noch wenige Tage warten. Und wenn man schon ein Kind hat, vergeht die Zeit ja bekanntlich schnell; es war also nicht so, als hätte ich nichts zu tun.
Auf der Arbeit sagte ich in dieser Woche noch nichts. Ich wollte erst den Termin beim Arzt abwarten, dann würde ich die frohe Botschaft verkünden. Ich verbrachte die Tage also mit einem kleinen, heimlichen Lächeln im Gesicht und hoffte, dass mich keiner auf meine gute Laune ansprechen würde. Es funktionierte. Ich fühlte mich gut, mir war weder übel noch hatte ich andere Anzeichen einer Schwangerschaft.
Dann kam der Tag, der mich fast aus der Bahn warf. Ich hatte frei, war mit dem Trotzkopfkind zuhause und kümmerte mich gerade ein wenig um den Haushalt. Plötzlich merkte ich, dass ich sofort ins Bad musste. Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle über meine Blase zu verlieren.
Und dann kam der Schock. Ich hatte eine Blutung und zwar gar nicht mal so schwach. Mein Herz blieb stehen.
Ich kannte diese Situation ja schon. Das konnte nichts Gutes verheißen. Oder machte ich mir zu viel Stress?
Durchatmen, ermahnte ich mich. Sowas kommt vor. Auch meine Freundin beruhigte mich. Manche Leute haben Blutungen in der Schwangerschaft. Mal mehr, mal weniger.
Und da die Blutung ein paar Stunden später aufhörte, versuchte ich mich wieder ein wenig zu entspannen. Alles war gut. Bestimmt.
Immerhin veränderte sich der Körper gerade und musste sich wieder auf eine neue Zeit einstellen. Da waren Blutungen doch sicherlich nicht ungewöhnlich.
Der Frauenarzttermin war in drei Tagen. Dann würde ich wissen, ob alles in Ordnung war oder nicht.
Oder war es unverantwortlich, nicht vorher in Krankenhaus zu fahren? Denn, um ganz ehrlich zu sein: Was konnten die Ärzte tun? Sollte ich gerade eine Fehlgeburt haben, würde das niemand verhindern können. Das Einzige was ich bekäme, wäre Gewissheit.
Je länger ich darüber nachdachte wusste ich, dass ich sie brauchte… die Gewissheit. Diese derzeitige Phase zwischen Unsicherheit und Vorfreude war schwer auszuhalten. Ich musste das checken lassen.
Also telefonierte ich mit meinen Schwiegereltern, ließ sie am Nachmittag das Trotzkopfkind von der Tagesmutter abholen, rief meinen Mann an und organisierte mit ihm den Abend. Ich war fest entschlossen in meinem eigenen Bett zu schlafen, egal was geschah, aber man konnte ja nie wissen.
Dann begab ich mich ins Krankenhaus. Dieser Schritt war alles andere als einfach für mich. Kaum den Eingangsbereich betreten, bekam ich Herzklopfen und Schweißausbrüche.
Hier war es schon einmal passiert. Ich hatte in der allerersten Schwangerschaft mein Kind in der achten Woche verloren und in diesem Krankenhaus teilte man mir mit, dass es keinen Herzschlag mehr gab.
Drei Stunden wartete ich- auch das war wie beim ersten Mal. Mir war schlecht, ich war nervös- doch gleichzeitig breitete sich eine seltsame Ruhe in mir aus.
Ich würde das überstehen, nochmal. Das wusste ich. Und dieses Mal war es anders. Ich hatte das Trotzkopfkind, ich war nicht allein. Die Option, sich im schlimmsten Fall zu verkriechen und zu trauern, gab es nicht. Es musste weiter gehen.
Endlich war ich an der Reihe. Ich schwitzte wie ein Tier. Die Ärztin war unglaublich nett und erfahren, anders als beim ersten Mal und nahm sich sehr viel Zeit für mich.
Dann das Ergebnis: Dem Baby ging es gut. Auf dem Bildschirm konnte ich deutlich ein kleines, pulsierendes Bläschen erkennen. Eine Blase mit Herz, Alter ungefähr sieben Wochen.
Vor Erleichterung zitterten meine Beine so stark, dass die Ärztin mich festhalten musste.
Doch Tatsache war immer noch diese, dass ich Blutungen hatte. Und die kamen nicht vom Baby.
Die Ärztin stellte fest, dass ich Blutgruppe A negativ war. Die Blutgruppe des Babys kannten wir nicht, die meiner Tochter auch nicht.
Mit A negativ bestand deshalb die Gefahr, dass mein Körper Antikörper gegen das Baby entwickeln könnte und es abstoßen würde. Kurz gesagt: Mies.
Ich musste also, wie in der Schwangerschaft mit dem Trotzkopfkind, eine Spritze bekommen, um die Antikörper zu verhindern. Und da ich schon zwei Tage blutete, musste es schnell gehen.
Tja, das bedeutete für mich: Sachen packen und eine Nacht im Krankenhaus bleiben.
Toll fand ich das nicht. Der Gedanke, eine Nacht von meinem Kind getrennt zu sein, macht mir immer noch Herzschmerz. Ich hasse es.
Gleichzeitig war ich einfach nur erleichtert, dass es dem Baby gut ging.
Also fuhr ich wieder nach Hause, begann von neuem alles zu organisieren, packte meine Sachen und ließ mich von meiner Nachbarin zurück ins Krankenhaus kutschieren.
Und plötzlich lag ich allein in einem Krankenzimmer. Um mich herum war es totenstill. Niemand war da.
Ich versuchte mich zu entspannen, aber das war leichter gesagt als getan.
Gerettet wurde ich von meiner Kollegin, die mich mitsamt Familie besuchte, Kuchen mitbrachte und sich bis zum Abend um mich kümmerte (DANKE dafür!).
Die Nacht verlief sehr ruhig, ich schlief abends ein und wachte erst um sechs am nächsten Morgen auf. Wann hatte ich das letzte Mal durchgeschlafen? Herrlich.
Trotzdem sehnte ich mich nach meiner Tochter. Ich wollte unbedingt zu ihr, konnte sie aber erst am Nachmittag sehen.
Da mit mir und dem Baby alles in Ordnung war, durfte ich mittags endlich nach Hause. Meine Freundin holte mich ab und brachte mich wohlbehalten heim.
Am nächsten Morgen stand der Termin bei meiner Frauenärztin an. Und auch die bestätigte: Alles in Ordnung. Viel ausruhen (haha), wenig tun (hahahaha) und kaum heben (….).
Ich war nun bei 6+ 5. Schwanger mit einem kleinen Bläschen mit kräftigem Herzschlag. Das Trotzkopfkind würde im Oktober große Schwester werden.

13 Kommentare

  • Sabine

    Liebe Katha,
    Danke, dass ich an Deiner 2. Schwangerschaft teil haben darf. Ich freue mich für Dich/Euch und drücke die Daumen.
    Sonnigen Gruß
    Sabine

  • Heinke

    Als ich deinen Text gelesen habe, konnte ich mit dir fühlen. Ich habe diese Situationen im Krankenhaus leider auch schon viel zu oft erlebt. Dir wird gesagt, dass Herzchen schlägt nicht mehr und es reißt einen völlig aus der Bahn.
    Ich habe eine gesunde Tochter und wir hoffen, dass sie im November große Schwester wird.
    Alles Gute und Danke für die offenen Worte.

    • kbartholome

      Danke für diesen lieben Kommentar. Es ist schwer ein Kind zu verlieren. Aber ich drücke euch alle Daumen der Welt und freue mich für euch! Alles erdenklich
      Gute und Liebe!

      Katharina

  • Tina

    Herzlichen Glückwunsch zu deinem kleinen Bauchbewohner und ich wünsche euch eine von nun an sorgenfreie Kugelzeit.
    Ein wundervoll geschriebener Text.

  • Diana

    Hey, ich hatte genau dasselbe. Ich stand total unter Schock, kannte das ja nicht. Ich stand trotzdem noch unter Schock nachdem die Ärztin mir sagte das dem Baby gut geht. Hab trotzdem rotz und Wasser geheult

    • kbartholome

      Ja ich war auch unfassbar erleichert und stand total neben mir 😀 Aber es ist so schön, dass alles gut ist.

      Liebe Grüße,

      Katharina

  • Heidi

    Oh man ich dachte eben ich hätte das geschrieben. Genau so ging es mir vor fast 4 Jahren und nun wird mein kleiner Kämpfer bald 3. Nicht nur der Anfang war so Nerven aufreibend nein der kleine Mann kam dann auch noch in der 36. Ssw 😁. Alles Gute für die weitere Schwangerschaft

    • kbartholome

      Liebe Heidi,

      ich danke dir für die schönen Worte. Mit Kindern vergehen die Sorgen wahrscheinlich nie 😉

      Liebe Grüße,

      Katharina

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