Schwangerschaft & Geburt

Ziemlich schwanger- oder nicht? (Teil 1)

Woche 13. Zwölf plus eins. Tag 85.
Ich bin wieder schwanger; es ist mein zweites Kind, meine dritte Schwangerschaft.
Wir haben uns im Dezember letzten Jahres entschieden, so langsam mit der Produktion des zweiten Kindes zu beginnen. Dass es so schnell ging, damit hat keiner von uns gerechnet. Aber fruchtbar sind wir, das wissen wir ja.
Kaum die Pille abgesetzt begann auch schon der emotionale Stress. Jeden Monat, ein paar Tage vor Beginn meiner Regel wurde ich nervös, machte vorsorglich eine Frühtest und war enttäuscht, wenn nur ein Strich auftauchte.
Dazu bekam ich noch Zwischenblutungen, so dass ich nicht mal mehr ansatzweise die Dauer meines Zyklusses, den Tag meines Eisprungs oder irgendwas anderes angeben konnte. Pures Hormonchaos halt.
Plötzlich war mir ganz komisch; also machte ich einen Test- negativ. An einem anderen Tag war mein Bauch so gewölbt, ich hatte Unterleibsschmerzen- Test negativ.
Irgendwann war es mir zu blöd. Ich fühlte mich total bescheuert. Klar, wenn man schwanger werden will hofft man, dass es direkt klappt. Aber mit einem Kind von fast zwei Jahren, welches eigentlich die ganze Aufmerksamkeit einfordert, kommt man runter. Ich hatte keinen Nerv mehr für einzelne Striche und ehrlich gesagt auch keine Zeit, mich jedes Mal zurück zu ziehen. Also ließ ich es bleiben. Endlich.
Ich wurde entspannter und verließ mich drauf, zum richtigen Zeitpunkt schon schwanger zu werden. Und wenn nicht: Ich hatte ja schon mein Trotzkopfkind. Mein tolles Mädchen, die mich schon unglaublich glücklich machte.
Einen Nachmittag erhielt ich Besuch von meiner engen Freundin, der ich natürlich direkt erzählte, dass wir an Baby Nummer zwei arbeiteten. Ich sage euch: Sie ist der Profi, was Eisprung, Zyklus etc. angeht. Gib´ ihr deine Daten und sie rechnet die innerhalb von Sekunden im Kopf, wann du wie wo wie lang mit deinem Partner Spaß haben solltest, um an Tag X Baby Y in den Armen zu halten. Kein Scherz.
Und natürlich kam ich auch nicht drum herum. Sie fragte mich vollständig aus, ich erklärte ihr meinen wirren Zyklus und wir rätselten herum, was das Hormonchaos bei mir gerade anrichtete.
Dann stellten wir fest, dass ich überfällig war. Und zwar entweder zwei Tage- oder zehn.
What the Hell?! Ich hatte doch gestern noch einen Test gemacht und der war wieder einmal deprimierend negativ. Also fiel eine Schwangerschaft doch raus.
Nun war ich aber so durcheinander, dass ich einfach nochmal testete (glücklicherweise hatte ich genug Stäbchen des Frühtests da- gibt´s als 10er Packung), doch das Ergebnis änderte sich nicht.
Ich war enttäuscht. Wie soll ich geplant schwanger werden, wenn es in mir drin aussieht, wie in einer laufenden Waschmaschine? Es nervte.
Doch mir war klar, dass es nichts brachte zu grübeln. Wenn man jahrelang die Pille genommen hat und sie dann plötzlich absetzt, braucht der Körper nun mal einige Zeit um klar zu kommen. Es würde schon seine Richtigkeit haben.
Also lenkte ich mich die nächsten Tage ab. Mein Trotzkopfkind wuselte um mich herum, ihr ist es nun mal egal, ob ich krank, beschäftigt oder schlecht drauf bin. Sie brauchte mich.
Ich ging weiter arbeiten und dachte nicht mehr an unseren Babywunsch.
Bis ich eines Tages mit meinen Kollegen in der Teamsitzung saß. Ich hatte irgendwo Geburtstagskuchen abgestaubt, mein Kaffee stand vor mir und ich freute mich auf die Schokoglasur, die mich anlächelte.
Doch während meine Kolleginnen rege miteinander sprachen, begann ich plötzlich zu schwitzen. Mir wurde schwindelig, ich bekam kaum Luft und hatte das Gefühl, gleich auf den Tisch brechen zu müssen.
Ich atmete langsam ein und aus, niemand bekam etwas mit. Dann kam der Druck im Unterleib. Ich hatte das Gefühl, meine Hose platzte gleich, wenn ich sie nicht sofort öffnete. Also saß ich mit offenem Knopf am Tisch. Gut, dass sich niemand bückte.
Verdammt, was war denn los mit mir? Natürlich hatte ich eine Vorahnung, jedoch wollte ich mich nicht schon wieder umsonst freuen.
Zuhause angekommen erhielt ich einen Anruf meiner Mutter, dass wir uns ein potenzielles Haus ansehen sollten.
Das taten wir auch. Wir suchten ja schon länger, das war zwar zur Miete, aber trotzdem wunderschön. Wir waren direkt verliebt. Doch es war eine große Entscheidung, wir mussten darüber nachdenken, hatten aber nur drei Tage Zeit.
Durch die Spontanaktion vergaß ich tatsächlich zu testen und erst, als mein Mann von genug Platz für Kind zwei in diesem Haus sprach, fiel es mir wieder ein.
Ich zog mich ins Bad zurück und atmete tief durch. Du bist so irre, dachte ich. Bekommst schon Phantomschmerzen, weil du unbedingt ein zweites Kind willst.
Dann wartete ich auf das Testergebnis- genau drei Sekunden lang. Denn kaum hatte ich das Stäbchen in den Urin getunkt, tauchten beide Striche auf; dunkelrot.
Eindeutiger konnte es gar nicht sein. Ich war schwanger. Und ganz sicher nicht nur ein paar Tage, so dunkel wie der Strich war, musste ich mindestens 4 Wochen schwanger sein!
Das passte zwar alles überhaupt nicht zu meiner Rechnung, die ich mit meiner Freundin aufgestellt hatte, zumal ich vor ein paar Tagen noch eine starke Blutung hatte- aber gut.
Apropos: Meiner Freundin schickte ich natürlich sofort ein Bild; sie war völlig aus dem Häuschen und bemerkte ebenfalls die rechnerischen Unstimmigkeiten.
Doch das war egal. Ich war ziemlich schwanger. Das zählte.
Den Rest würde ich beim Gynäkologen erfahren.
Als ich meinem Mann die frohe Botschaft überbrachte, musste er sich erst einmal hinsetzen. Es war doch etwas viel. Baby… Haus… Veränderung.
Trotzdem freute er sich unglaublich.
Am nächsten Morgen rief ich direkt beim Gynäkologen an und vereinbarte einen Termin. Da der Strich schon so dunkel war konnte ich direkt in der folgenden Woche vorbeikommen.
Ich freute mich sehr. Unser zweites Kind war nun unterwegs.
Das Trotzkopfkind würde eine große Schwester werden! Ich war entspannt, aufgeregt und unbesorgt.

Doch es sollte anders kommen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.