Alltagsabenteuer,  Eltern, Menschen, Leben

Kinder? Nein, danke!

„Nein, für Kinder können Sie nicht reservieren.“- Stellt euch vor ihr ruft in einem Restaurant an, um einen Tisch für die ganze Familie zu reservieren- und dann hört ihr diesen Satz!
Passiert ist das nicht mir, nein. Doch gerade gibt es heiße Diskussionen rund um das Thema Kinderverbot in Restaurants. Jüngster Fall: Ein Café in Hamburg, welches Kindern unter 6 Jahren keinen Zutritt gewährt.
Die Betreiberin kämpft mit Anfeindungen, harter Kritik und Vorwürfen aufgrund von angeblicher Diskriminierung. Doch ist es das wirklich? Diskriminierend?
Als ich das erste Mal von diesem Café gehört habe, war ich tatsächlich einen Moment überrascht. Es ist natürlich nicht die Regel, dass man mit Kindern Hausverbot in einer Gaststätte bekommt. Gerade deshalb schockiert es ja so viele Menschen. Kinder werden in eine Schublade gesteckt; laut und ungehalten sind sie, also gehören sie hier nicht hin. Das ist schon eine Art der Diskriminierung. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Betreiberin sicherlich nicht das Ziel verfolgt, irgendwen aus der Gesellschaft auszuschließen. Laut nordbuzz.de ist sie selbst Mutter und Patentante, es liegt also nicht an einer Abneigung gegen Kinder.
Ich habe nun eine Weile über das Thema nachgedacht. Wie würde ich mich fühlen, wenn ich mich nach stundenlangem Gequengel meiner Tochter danach sehne, in Ruhe einen Kaffee zu trinken, während sie zufrieden ein Stück Kuchen vernascht, dann endlich in ein schönes Café einkehre und die Kellnerin mir sagt: „Sorry, Kinder sind nicht willkommen!“ ?
Rausgeschmissen. Ich bin sicher, ich würde mich im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür gesetzt fühlen. Ich wäre stinksauer, beleidigt und würde mich ungerecht behandelt fühlen.
Gerade in der Stadt, wo wir vor unserem Umzug wohnten, ist es nicht einfach ein geeignetes Café für einen Besuch mit Kindern zu finden. Und es ist mir auch schon passiert, dass ich sowohl abfällig angeschaut wurde, als das auch die Bemerkung kam, ein Kinderwagen wäre in diesem Café nicht gern gesehen. Ja… ganz ehrlich, das fühlt sich scheiße an.
Irgendwie ist es diskriminierend. Das muss ich zugeben. Es ist die gleiche Geschichte wie mit dem Stillen. Das ist etwas Natürliches, ganz normales, ein Teil unserer Welt. Genau wie Kinder. Die gehören zu unserer Gesellschaft einfach dazu und sie auszuschließen ist genauso unfair, wie die Tatsache, dass es Bahnhöfe und Gebäude gibt, die nicht behindertengerecht eingerichtet sind. DAS ist auch diskriminierend.
Es ist einfach zu sagen, dass die Betreiberin des Cafés unfair und unmenschlich handelt, einen Teil der Gesellschaft absichtlich ausschließt, um nur die für sich passende Zielgruppe zu bewirten. Aber ich denke trotzdem: So leicht ist es doch irgendwie nicht!
Bei dem Café handelt es sich um IHR Geschäft, sie hat über ein Konzept nachgedacht, wie sie mit ihrem Traum ihr Leben finanzieren kann. Und ich denke, dass man das erstmal akzeptieren sollte.
Natürlich bedeutet das, dass es ein Café weniger gibt, in dem Kinder willkommen sind.
Doch was ist vergleichsweise mit einem Eltern- Kind- Café? Ich bin sicher, wenn dort zwei obdachlose Menschen hereinkommen würden, die sich im Winter die erstbeste Möglichkeit suchen, um einen heißen Kakao zu trinken, dass man ihre Anwesenheit nicht akzeptieren würde! Wer will schon einen Obdachlosen in der Nähe seiner Kinder haben, könnte man denken- aber ist nicht genau das auch Diskriminierung? Jemanden auszuschließen, weil er KEINE Kinder dabei hat- oder anders aussieht.
Natürlich ist es bei Eltern- Kind- Cafés ein klein wenig anders, als in unserem Fall. Es ist nicht explizit den Familien vorenthalten. Aber auch mir als Einzelperson wurde schon einmal klar gemacht, wer die eigentliche Zielgruppe ist. Nicht ich.
Zurück zu unserem Fall. Hamburg ist eine große Stadt. Es gibt dort gefühlt tausend Cafés und Restaurants, alle verschieden, die einen klein und gemütlich, die anderen groß und modern.
Sicherlich gibt es dort mehr als eine Möglichkeit, mit Kindern schön essen zu gehen, ohne dass sich irgendjemand großartig gestört fühlt.
Seien wir doch mal ehrlich: Eigentlich genießen wir es als Eltern doch auch mal einen Abend für uns zu haben. Irgendwo essen zu gehen, die Ruhe und die Zweisamkeit zu genießen, Kraft zu schöpfen und dann später voller aufgetankter Energie wieder nach Hause zu kommen. Zu unserem Kind.
Und während wir uns beim romantischen Dinner tief in die Augen schauen, plärrt irgendwo ein trotziges, müdes Kind los- Schluss mit der Romantik.
In einem Restaurant ohne Kinder passiert das nicht. Die Ruhe bleibt- außer eine wütende Ehefrau macht ihrem Mann eine Szene. Aber abgesehen davon ist es doch wirklich mal schön, ein paar Stunden unter Erwachsenen zu verbringen, oder nicht?
Und ich bin sicher, wer als Familie essen gehen will, findet auch dafür eine Alternative. Das bedeutet vielleicht ein wenig Recherchen, aber da spricht doch nichts gegen… Ich schaue lieber einmal zu viel, wo wir akzeptiert und angenommen werden und gehe dann öfter an diesen Ort, als mich zu ärgern, irgendwo nicht rein zu passen.
Klar ist es trotzdem noch eine Art von Diskriminierung. Aber anstatt in unserer heutigen Gesellschaft soviel schwarz zu sehen, sollten wir vielleicht lieber einmal schauen, was ganz gut funktioniert. TROTZ „Ausschließen“ mancher Gruppen.
Zum Abschluss noch ein paar Beispiele.
Mädelsflohmarkt; nur für Frauen… Sowas von diskriminierend. Aber sowas von entspannend und toll. Abgesehen davon hat kein Mann Bock mit uns abends bei einem Wein mitten durch hundert quatschende, kichernde Frauen zu laufen und sich um Klamotten und Schmuck zu streiten.
Barbier; nur für Männer. BAR- BIER; kann man ein Wort noch männlicher formulieren? Frauen haben keinen Zutritt…DAS ist diskriminierend. Und trotzdem ist es uns allen wirklich absolut schnuppe. Es ärgert uns nicht, denn wir haben unseren Damenfriseur, bei dem neben Sekt Klatsch und Tratsch ausgetauscht wird.
Also… nehmt das Hausverbot für Kinder nicht so ernst… seht das Positive darin. Dann kann uns Diskriminierung nichts anhaben. Ganz einfach 😊

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