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Übergehe ich mein Kind? – Vom „richtigen“ Erziehen

Vor einiger Zeit veröffentlichte ich einen Beitrag über das Abgewöhnen der Babyflasche. Mir war durchaus bewusst, dass es sich dabei um ein zwiegespaltenes Thema handelt- so wie alle Themen, in denen es um verschiedene Arten der Erziehung geht.
Und obwohl ich mich über konstruktive Kritik und Meinungen anderer Mütter freue, haben mich einige Kommentare, die abgegeben wurden sehr getroffen.
Eltern haben sich  bewusst für einen Weg entschieden, ihrem Kind die für sie wichtigen und relevanten Werte und Normen auf die für sich richtige Weise zu vermitteln. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten- die eine stillt, die andere nicht. In der Erziehung wird vollständig auf Zucker verzichtet, in der anderen gehören Kekse zum Alltag. Dort werden die Zähne mit Geduld und Video geputzt, da braucht es einiges an Überredungskunst oder auch etwas elterliche Dominanz.
Dass es dabei immer um die Bedürfnisse des Kindes geht, ist für mich eigentlich klar. Sobald wir uns dazu entschieden haben Eltern zu werden, richten wir unser gesamtes Leben nach einem Kind aus. Das fängt bei der Ernährungsumstellung in der Schwangerschaft an und hört bei der täglichen Planung des Alltags um das Kind herum auf. Und welche Entscheidungen wir auch treffen, es ist immer zum Besten unseres Schützlings.
Meine Tochter ist mittlerweile bald zwei. Mein Mann und ich versuchen, sie zu einer selbstbestimmten, eigenständigen Person zu erziehen. Uns ist es dabei wichtig, dass es ihr gut geht. Wir versuchen ihr, trotz ihres jungen Alters, nicht alle Entscheidungen abzunehmen… Partizipation wäre hier das Stichwort der Erzieherin in mir. Wir lassen sie die Sorte ihres Joghurts aussuchen, die Art des Brotbelags und natürlich auch, was sie wann wo spielen oder machen will.
Man darf aber nicht vergessen: Sie ist ein Kleinkind. Und es gibt Dinge, die sie betreffen, die jedoch WIR entscheiden. Das Zähneputzen zum Beispiel. Oder Süßigkeiten vor dem Abendessen. Da gibt es für uns keine Diskussion.
Um auf das Thema des Anfangs zurück zu kommen: Auch die Abgewöhnung der Milch war unsere Entscheidung. Wir haben uns lange informiert, über Pro und Contra nachgedacht und abgewogen, ob wir ihr in irgendeiner Hinsicht Schaden zufügen, wenn wir ihr die Milch abgewöhnen. Schlussendlich haben wir uns dazu entschieden, es durchzuziehen. Erst gewöhnten wir sie von Milch zu Wasser um, dann war die Schnullerflasche weg.
In den Kritiken wurde darüber diskutiert, dass unser Kind nicht „artgerecht“ ernährt und seine Bedürfnisse übergangen werden würden. Und wie das nun mal so ist, wurde über diese Aussage heiß diskutiert. Das ist auch gut so, damit ist zu rechnen, wenn man über sensible Themen schreibt.
Ich habe schon öfter erlebt, dass Mütter verschiedene Meinungen zum Thema Erziehung haben. Dennoch sollte man in der Lage sein über seinen Weg zu diskutieren, ohne sich gegenseitig die „richtige“ Methode aufzwingen zu wollen. An dem Thema Erziehung scheiden sich die Geister. Mütter suchen eher Kontakt zu denen, die mit ihrer Erziehung die gleiche Richtung einschlagen, als diese, die es absolut gegensätzlich machen. Im Kreise von Gleichgesinnten lässt sich konstruktive Kritik besser mitteilen und annehmen. Ist einfach so.
Es ist ja eigentlich so, dass sich eine schwangere Frau schon im Voraus überlegt, was für eine Art Mutter sie ist. Auch ich hatte eine genaue Vorstellung. Locker, cool, aber trotzdem strikt. Das war mein Plan. In Wahrheit ist man dann doch irgendwie anders. Nach und nach entwickelt sich der eigene Erziehungsstil. Man probiert aus, man lernt aus Erfahrungen und schaut, wie man sich am wohlsten fühlt. Der Austausch mit anderen Müttern beeinflusst einen selbst. Für manche ist er wichtig, für andere weniger.
Mir war der Austausch mit Müttern immer wichtig. Sowohl mit meiner Schwester, als auch mit meiner eigenen Mama und verschiedenen Freunden. Ich bin durchaus in der Lage mich kritisieren zu lassen, auch wenn es manchmal unangenehm ist.
Gerade dieser Austausch ist das, was mich am Bloggen reizt. Ich finde es total spannend zu hören, wie andere Mütter mit ihren Kindern umgehen, was sie für Ratschläge und Tipps haben, um den Tag mit Kindern zu überstehen.
Doch ich finde, dass Grenzen überschritten werden, wenn man einer Mutter das Gefühl gibt, ihr Kind zu übergehen.
Ist es wirklich „artfremd“, wenn ich meinem Kind ein Getränk ersetze, ohne dabei ihrem Körper oder ihren Bedürfnissen zu schädigen?
Ist es nicht viel wichtiger, dass ich, die Erwachsene, die Mutter, die Verantwortliche, abwäge, was meinem Kind gut tut?
Tatsache ist: Es geht unserer Tochter gut. Sie ist gesund und sie ist glücklich. Ich habe nun sehr lange über mich als Mutter und über meine Art des Erziehens nachgedacht. Ich habe mich reflektiert und überlegt, ob ich eine schlechte Mutter bin, weil ich nur drei Monate gestillt habe, meinem Kind keine Milch mehr zum Einschlafen gebe und erst jetzt beim Osteopathen war, der eine Blockade festgestellt hat.
Hätte ich das alles anders machen sollen? Habe ich die Bedürfnisse meines Kindes nicht erkannt?
Die Antwort lautet Nein.
Seit meine Tochter geboren wurde, habe ich alles in meiner Macht Stehende getan, um ihr gerecht zu werden.  Sie ist der Mittelpunkt unseres Lebens. Wir lieben sie abgöttisch und sorgen täglich dafür, dass sie sich zu einem fröhlichen, gesunden, selbstständigen Mädchen entwickeln kann.
Es gibt nichts, was wir uns vorwerfen können.
Austausch ist gut. Aber manchmal muss man einfach nur auf das Bauchgefühl hören.
Eines ist mir nun klar: Wir sind gute Eltern. Und das ist, was zählt.

2 Kommentare

  • Sabine

    Du hast alles Richtig gemacht. Du hast auf dein Bauchgefühl gehört. An das plädiere ich ständig.
    Viele folgen nur strikt dem einen oder anderen „Erziehungskonzept“. Man kann aber auch aus verschiedenen Methoden Dinge vereinen. Wir sind alle unterschiedlich und ebenso sind unsere Kinder alle unterschiedlich. Jeder sollte es so machen können, wie es sich für ihn und der jeweiligen Familie am besten anfühlt.
    Ich habe auch schon öfters harte Kritik bekommen, die mich wirklich getroffen hat. Mittlerweile stehe ich darüber und wundere mich immer wieder nur aufs Neue, warum wir Mütter uns nicht gegenseitig mehr unterstützen, sondern immer gegenseitig „fertig“ machen.
    Im Übrigen haben meine Töchter auch nach einer gewissen Zeit abends nur noch Wasser in der Flasche gehabt und dann anschließend nur noch einen Becher. Sie selbst hatten damit überhaupt gar kein Problem. Im Gegenteil, sie haben dadurch deutlich mehr getrunken, was mich besonders bei meiner Großen gefreut hat, da sie immer schon eine schlechte Trinkerin war.
    Ich selbst habe die Milch durch Wasser ersetzt und die Flasche weggelassen, nach einem Zahnarztbesuch, bei dem mir der Zahnarzt erzählte, dass sich in der Nacht der Zahnschmelz aufbaut. Wenn nun ständig Milch an die Zähne kommt, kann sich dieser nicht ordentlich aufbauen.
    Ich kann dir nicht sagen, ob es stimmt. Es war eben die Aussage die ich damals bekommen habe und der Beweggrund dafür.
    Also habe ich es in der Annahme getan, nur das Beste für mein Kind zu wollen. Und das wollen wir doch Alle. Jeder versucht es auf seine eigene Art und Weise.
    Und wie gesagt, meine beiden Mädels haben damit überhaupt gar kein Problem gehabt. Oft sind es doch wir, die Erwachsenen, die die Probleme sehen, wo gar keine sind.
    In diesem Sinne, hör weiterhin auf dein Bauchgefühl und versuche Kritik die unter die Gürtellinie geht aus zu blenden. (auch wenn es schwer fällt)

    Liebe Grüße
    Sabine
    von http://www.mumslife.de

    • kbartholome

      Liebe Sabine,

      Danke, danke für deine liebe Antwort! Ich freue mich ehrlich, dass ich scheinbar nicht völlig falsch handele 🙂 Kritik gehört nun mal dazu. Trotzdem ist es auch interessant verschiedene Meinungen zu hören.
      Ich bin auch sicher, dass du alles richtig gemacht hast, sowie viele andere Mütter auch, die auf ihr Bauchgefühl hören.

      Liebe Grüße, Katharina 😊

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