Eltern, Menschen, Leben

Kind, Karriere- oder beides?

Seit ich denken kann freue ich mich auf den Beginn des Wochenendes. Das war zu Schulzeiten schon so, als Freitagnachmittags endlich die Glocke klingelte und das Ende des Tages einläutete. Genauso war es im Berufsleben; mit Anfang zwanzig konnte ich es kaum erwarten das Wochenende zu beginnen und mich mit Freunden zu treffen, feiern zu gehen und vor allem auszuschlafen.
Doch als Eltern sieht die Wochenendplanung anders aus als früher. Noch immer freue ich mich, wenn der Freitag endlich in greifbare Nähe rückt. Glücklicherweise arbeite ich freitags nicht und lasse das Trotzkopfkind auch zuhause. Auf dem Programm steht für uns dann gemeinsames Kinderturnen, den Rest des Tages teilen wir uns frei ein. Für mich ist das schon fast wie Wochenende.
Wenn der Drachenpapa heim kommt genießen wir meistens unseren Abend in trauter Drei- bis Zweisamkeit. Oftmals ist der Abend schon um zehn zu Ende, weil einer von uns (ich…) auf dem Sofa einschläft und nicht allzu selten gehen wir deswegen recht früh ins Bett. Am nächsten Tag ausschlafen heißt für uns halb acht. Und das ist schon purer Luxus. Dementsprechend haben wir bis halb neun gefrühstückt und einen langen Tag vor uns, den wir so richtig auskosten können.
Wir nutzen die Stunden oft für Ausflüge, wobei man sich dabei nach dem Mittagsschlaf des Trotzkopfkindes richten muss; aber auch das ist alles möglich.
Nun hat sich die Situation letztes Jahr etwas verändert.
Ich mache ein Fernstudium von zuhause aus, quasi ohne Präsenzphasen. Stattdessen habe ich Online- Vorlesungen und muss nur für Klausuren in die Uni. Trotzdem hängt da natürlich noch mehr dran- Referate, Hausarbeiten, Vorbereitungen.
Zusätzlich studiert jetzt auch der Drachenpapa. Im Gegensatz zu mir hat er keine Vorlesungen und muss seine kompletten Lerninhalte quasi selbst erarbeiten.
Und plötzlich ist das Wochenende ziemlich kurz. Die vielen freien Stunden werden durchgeplant und aufgeteilt, meistens direkt nach dem Frühstück. Zuerst geht der Drachenpapa ein paar Stunden lernen und ich verbringe den Vormittag mit dem Trotzkopfkind. Nachmittags ist es oft anders herum. Ich lerne und das Trotzkopfkind hat den Papa ganz für sich allein. Natürlich ist es nicht jedes Wochenende so, aber manchmal fehlt dann ein ganzes Stück Familienzeit.
Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Wir haben uns beide bewusst für ein Studium entschieden, weil wir einfach vorwärts kommen wollen im Leben. Und vor ein paar Jahren war Studieren für keinen von uns eine Option.
Jetzt sind wir beide berufstätig, wir wissen, wohin wir im Leben wollen und haben eine Familie gegründet. Der Zeitpunkt zum Studieren ist vielleicht nicht optimal, aber wenn nicht jetzt- wann dann?
Des Öfteren bin ich schon gefragt worden, wie ich das alles unter einen Hut bringe; Job, Studium, das Bloggen und die Familie. Tatsächlich ist mir gegenüber auch schon Kritik geäußert worden, so nach dem Motto wieso ich Kinder wollte, wenn ich so wenig Zeit mit ihnen verbringe.
Ich denke jede Mutter ist da anders und das ist auch gut so! Die einen sind glücklich mit langer Elternzeit und ihrer Rolle als Mutter. Andere sind das auch, brauchen jedoch noch eine zusätzliche Aufgabe. Und zu diesen Müttern gehöre ich. Ich liebe mein Kind abgöttisch und vermisse jede Sekunde, in der ich nicht bei ihr bin. Doch ausschließlich Mutter sein reicht mir einfach nicht. Deshalb arbeite und studiere ich. Mein Job macht mir Spaß und das Studium fordert mich kognitiv. Ich möchte weiter lernen, den Bachelor machen und mich beruflich weiter entwickeln.
Natürlich haben wir weniger Zeit mit unserem Trotzkopfkind, als andere Eltern mit ihren Kindern. Trotzdem erleben wir jeden Moment mit ihr. Wir verpassen nichts. Weder ihre ersten Schritte, noch ihre Trotzanfälle oder wie sie uns ihre Meinung mitteilt. Der Unterschied zu weniger Zeit liegt darin, dass wir unsere gemeinsamen Momente anders planen und bewusster wahrnehmen.
Klar, um all´ das zu bewältigen gehört einiges an Organisation dazu und manchmal macht es auch einfach keinen Spaß. Aber wir haben es bisher durch gezogen. Wir bekommen Kind und Karriere gerade ganz gut hin. Und die Familie steht trotzdem im Vordergrund. Immer.

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