Eltern, Menschen, Leben

Freundschaft minusplus

Freundschaft ist genauso kompliziert wie die Liebe. Manchmal sogar weitaus komplizierter. Jede (Bald-) Mama weiß, wieso das so ist. Oder wird es erfahren.

Als ich mit meinem Mann zusammen kam, hatte ich einige Freunde. Zwei davon habe ich als beste Freunde bezeichnet, einige waren enge Freunde und schließlich noch Bekannte. Wir hatten damals eine ziemlich coole Partygruppe, die aus den Freundschaften von mir und meinem Mann entstand. Jedes Wochenende gingen wir mit sechs bis acht Leuten feiern, Party machen und das Leben genießen. Diese Zeit war toll, ehrlich. Es gibt immer mal Momente, in denen ich die kinderlose Phase vermisse. Aufstylen, sich mit anderen treffen, trinken, Spaß haben und auf den 90er Partys abrocken.

Doch irgendwann veränderte sich etwas. Beziehungen entstanden, neue Leute kamen dazu und unser privater Focus legte sich mehr und mehr auf entspanntere Abende. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend es werden kann jedes Wochenende zu feiern. Abgesehen von der finanziellen Belastung.

Je öfter mein Mann und ich am Wochenende Zeit zu zweit verbringen wollten, desto mehr verloren wir den Draht zur Gruppe. Wir mutierten in den Augen der Singles zu den Pärchen- Langweilern. Mein Mann kam damit klar, er sah das locker. Wenn wir nochmal feiern wollten, könnten wir uns eben dran hängen. Doch für mich war es nicht einfach. Ich wurde ersetzt…

Natürlich will ich nicht meinen damaligen Mädels die alleinige Schuld zu schieben! Aber wir waren ein Dreier- Gespann bis jemand Neues dazu kam, der nun mal mehr Bock auf Party als auf Pärchenabend hatte- also wurde selektiert.

Anfangs versuchten wir alle noch, unsere Beziehung aufrecht zu erhalten. Dann meistens nur noch ich. Nach und nach wurde es aber schwieriger. Wir sahen uns weniger, dann schrieben wir kaum noch und als mein Mann und ich von Stadt in Kleinstadt zogen, war es vorbei. Der Kontakt brach nahezu ab, wir hörten, bzw. schrieben uns nur noch zwei- bis dreimal im Jahr. Wenn überhaupt.

Als Sahnehäubchen kündigten mir zusätzlich noch zwei enge Menschen unsere langjährige Freundschaft. Autsch.

Die nächsten Monate waren für mich der Horror. Ich litt bestialisch unter dem Verlust dieser Personen, die mich einfach im Stich gelassen hatten. Ich fühlte mich allein. Einsam.

Natürlich war ich das nicht. Ich hatte meinen Mann, aber vor allem hatte ich meine echten, ehrlichen Freunde, die mir bis heute immer noch zur Seite stehen.

Als das Trotzkopfkind auf der Welt war, hatte sich nichts verändert. Meine Freunde waren immer noch nicht mehr meine Freunde.

Doch ich hatte nun andere Prioritäten. Als Mutter hat man oft einfach keine Zeit oder auch Kraft mehr, um um jemanden zu kämpfen, dem man eigentlich egal ist. Irgendwann merkt man, dass man seine Energie für wichtige Dinge sparen muss. Kind. Familie. Ich war MIR schlussendlich zu wichtig, um noch länger um die Freundschaften zu trauern. Zum Glück.

Und so fand ich mich täglich ein bisschen mehr damit ab, weniger Freunde- oder Bekannte zu haben und fand mich wieder.

Mittlerweile hat sich mein Freundeskreis geändert. Ich habe eine handvoll enger Freunde, die mir unfassbar wichtig sind. Mit ihnen ist es einfach und unkompliziert, aber nie langweilig. Wir haben die gleichen Interessen, ähnliche Ziele und Gemeinsamkeiten. Obwohl wir uns nicht täglich sehen oder schreiben, ändert das nichts. Wir sind trotzdem für einander da. Immer. Ich kann ihnen vertrauen und mit ihnen reden. Sie kennen mich.

Ich brauche keine zehn Freunde und elf Bekannte. Um glücklich zu sein, brauche ich die Menschen um mich herum, denen ich von Herzen etwas bedeute. Und die habe ich.

Danke, dass es euch gibt. Meine Herzmenschen.

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