(Fremd-) Betreuung

Entspannte Eingewöhnung? Hilfe, ich hab´ Zeit!

Es ist gar nicht so lange her, da habe ich einen Artikel über mein bald erwachsenes Kind, das zur Tagesmutter gehen wird, geschrieben (hier nachlesen: https://drachenmama-trotzkopfkind.jimdofree.com/2018/07/31/ab-zur-tagesmutter-das-kind-wird-erwachsen/).
Tatsächlich habe ich da noch nicht mal von der Eingewöhnung gesprochen, nein; im Grunde haben wir eine Vor- Eingewöhnung gestartet, indem wir einmal die Woche zum Spielen bei der Tagesmutter zu Besuch waren.
Das war wirklich toll. Meine Tochter konnte von vorne herein die anderen, neuen Kinder kennen lernen, sie hatte direkt total viel Spaß und ich saß auf einem kleinen, sehr gemütlichen Sofa mit ein bis zwei anderen Mamas und genoss die Ruhe. Wirklich, teilweise habe ich mich wie in einem Luxusresort gefühlt! Während die Kinder gemeinsam frühstückten, wurde uns Müttern Kaffee serviert, geschmierte Brötchen in die Hand gedrückt und, KAUM ZU GLAUBEN: wir bekamen sogar Rührei! Also, wer wurde da jetzt eingewöhnt?
An die Art Betreuung könnte ich mich gewöhnen!
Nein, aber mal im Ernst. Wenn man mit seinem Kind in eine Tagespflege geht, in der man so unglaublich gut und einfühlsam behandelt und sowohl zur Begrüßung und zum Abschied gedrückt wird, gibt einem das doch schon direkt ein tolles Gefühl. Wie kann man sich da nicht entspannt zurück lehnen und sein Kind beobachten?
Und dazu kommt die Interaktion mit den anderen Mamas. Selbst wenn man am Anfang große Angst vor dem Erwachsenwerden des Kindes hatte, weil es einfach ein echt heftiger Abnabelungsprozess ist, der da stattfindet, selbst dann schaut man nach rechts und links und weiß: Hey, ich bin nicht allein mit meinen Sorgen. Die anderen Mamas sind auch etwas nervös.
Echt, das hilft. TOTAL.
Ich war mir  in der Schwangerschaft absolut sicher, was für ein Typ Mutter ich werde. Cool, gelassen, entspannt. Dazu das richtige Maß an Erziehung und null Probleme, mein Kind abzugeben.
HAHA. Pustekuchen.
Ich bin sowas von nicht diese Art Mutter. Gar nicht. Und wenn man dann merkt, dass es ernst wird; dass das Trotzkopfkind ab jetzt regelmäßig nicht mehr zuhause ist und am Rockzipfel hängt, sodass man nicht mal allein auf´s Klo kann, dann ist es ungemein beruhigend, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Abgesehen davon lernen sich die Eltern untereinander super schnell kennen und das ist etwas, was ich persönlich toll finde. Man sieht sich ab jetzt ja öfter, da ist es interessant zu wissen, wie die Leute so ticken.

Seit dieser Woche läuft die Eingewöhnung richtig. Gestern war es wie in den letzten Tagen, Trotzkopfkind und ich kamen zur Tagesmutter, Töchterchen spielte, Mamas tranken Kaffee, nach ein paar Stunden gingen alle wieder mehr oder weniger erschöpft heim.
Heute war die Situation jedoch eine andere. Ich habe damit gerechnet, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem ich die Tagespflege eine Weile verlassen muss- aber nicht heute Morgen!
Wir betraten gerade den Raum und schon begann meine Tochter zu zappeln. Die anderen Kinder saßen schon beim Frühstück.
Die liebe Tagesmutter streckte meiner Tochter die Arme entgegen und schwupps, war sie weg. „Du kannst Kaffee trinken gehen, wir machen fliegenden Wechsel, bevor die anderen Kinder zu weinen beginnen“, hörte ich plötzlich meine Tagesmutter sagen.
Ich musste schlucken. Das war jetzt aber sehr zackig. Mein armes Baby, dachte ich, ich kann sie doch nicht im Stich lassen! (Ich sage euch, dieser Gedankengang ist absoluter, völliger Schwachsinn- aber ich konnte nichts dagegen tun!)
Mir wurde aufgetragen, mich zu verabschieden, sie würden mich anrufen, wenn mein Trotzkopfkind mich wieder brauchte. Also gab ich meiner Tochter noch einen Kuss und ging- von ihr wurde das kaum wahrgenommen, sie hatte schon das Frühstück im Visier.
Kaum vor der Tür schluckte ich nochmal kräftig. Mir kamen fast die Tränen! Zack, weg ist das Kind! So schnell geht das also mit dem Erwachsenwerden, plötzlich brauchen sie dich nicht mehr.
Ihr werdet lachen, doch bevor ich zum Auto ging, stand ich erstmal 5 Minuten herum. Ich wusste gerade gar nicht, was ich mit der neu gewonnenen Freiheit anfangen sollte. Nicht, dass ich nichts zu tun hätte. Aber es ist schon ein sehr seltsames Gefühl, wenn man seine nächsten Stunden nicht mit Kind im Hinterkopf planen muss.
Nachdem ich mich dann doch gesammelt bekommen hatte, startete ich die kindfreie Zeit; ich ging einkaufen, putzte, wusch Wäsche und backte etwas. Mal eben. In Ruhe. Jedoch nicht, ohne immer wieder einen sehnsüchtigen Blick zum leeren, sehr einsamen Spielteppich zu werfen.
Und nun? Nun sitze ich an meinem Lieblingsplatz und warte, bis ich mein Kind wieder abholen darf. Ist nämlich immer noch bei der Tagesmutter. Und so langsam spüre ich die Sehnsucht nach meinem Schatz!
Eigentlich brauche ich nur mein Buch aufschlagen- ich wette, dann rufen sie an. Ist ja immer so. 😉

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