Alltagsabenteuer

Jippie, Kinderlieder! Mediennutzung im Alltag

In der heutigen Zeit ist es schier unmöglich, Medien zu umgehen. Wir nutzen sie immer und überall. Quasi jeder von uns, in Form von Handys, Tablets, Laptops, dazu Fernseher, soziale Netzwerke und, und, und.

 

Ich kann mich davon nicht frei machen, nein, ich gehöre genauso zu den Mediensuchtis, wie viele andere. Mein Handy trage ich quasi 24/7 bei mir, egal ob am Wochenende oder von Montags bis Freitags. Arbeitsbedingt kommt sogar noch ein zweites Handy dazu.
In meinem Speicher befinden sich ungefähr 1000 Fotos aus Trotzkopfskinds 1. Lebensjahr, dazu nun ungefähr 600 seit ihrem Geburtstag. Und es werden immer mehr. Glücklicherweise denke ich alle paar Monate daran, meine Daten zu sichern, für den Fall, dass mein Handy sich verabschiedet und ich alles verliere.

Das Trotzkopfkind hat eigentlich absolutes Handyverbot… eigentlich. Bei den Omas sind die Regelungen immer etwas gelockert. Dort darf sie die Handys in den Händen halten und darauf herum tatschen. „Huch, wie lustig“, lachen die Großeltern dann, wenn die Enkelin mit ihren Fingerchen die Tastensperre entsperrt und die Bilder geöffnet hat.
In diesen Momenten sitze ich daneben, bringe ein schiefes Grinsen zustande und weiß nicht, ob ich schimpfen oder lachen soll.
SO lustig finde ich es eigentlich nicht, dass meine Tochter mit anderthalb Jahren weiß, wie sie mit dem Handy umgeht. Oder dass sie einen Ausraster bekommt, wenn sie mein Handy (oder Papas) findet und wir sie nicht damit spielen lassen.
Doch tatsächlich ist es nicht so einfach. Die Großeltern verurteilen geht schnell. Möchte ich aber nicht, denn sie setzen das Trotzkopfkind definitiv nicht durchgehend ans Handy! Und abgesehen davon darf man bei Oma und Opa ja eh sowieso viel mehr, als bei Mama und Papa.
Wir haben zuhause Handyregeln, die gelten auch für uns. Beim Essen: Handyverbot. Genauso beim ins Bett bringen.
Und obwohl unsere Tochter nicht mit Handys spielen darf, bisher kein (NULL) Fernsehen schaut und auch kein eigenes Tablet hat, hat sie trotzdem Bezug zum Handy. Ein gutes Beispiel: Beim Autofahren bekommt das Trotzkopfkind entweder einen Ausraster aus Langeweile, schmeißt jedes Spielzeug und Bücher weg, weil sie Autofahren hasst oder einfach gerade trotzt- oder sie schläft ein. Beide Varianten sind meistens sehr anstrengend oder ungünstig. Die Lösung: Handy, Youtube, Kinderlieder.
Sie liebt ihre Kinderlieder. Anfangs war es okay, das Trotzkopfkind schaute den lustigen, bewegten Bildern zu, wurde am Einschlafen gehindert und die Drachenmama konnte in Ruhe fahren. Jetzt ist es leider anders. Die Tochter weiß nun, dass, wenn sie mit ihren Fingern hin und her wischt, andere bunte Bilder auftauchen und sie die Musik verändern soll. Tatsächlich macht das die ganze Sache schwieriger.

Aber für uns ist es in Ordnung, sie darf sich ab und zu in Ausnahmesituationen die Lieder anschauen und das war´s dann auch. Klar, wenn wir ihr das Handy abnehmen ist das mit Protest verbunden, Aber zuhause gibt es das Handy sowieso nicht. Als die ersten Zähne kamen, durfte sie beim Putzen immer ein Zahnputzlied sehen. Mittlerweile geht es ohne Lied- und fast ohne Motzerei.
Das Trotzkopfkind hat außerdem soviel Spielzeug, dass sie das Handy kaum interessiert, wenn es nicht genau vor ihrer Nase liegt.
Sie liebt ihr Bobbycar, ihre Bilderbücher, die Murmelbahn und vor allem ihren neuen Holzbauernhof mit den Tieren; stundenlang kann sie sich damit beschäftigen.

Trotzdem, das Handy ist allgegenwärtig bei uns. Wir Eltern sind da tatsächlich kein besonders gutes Vorbild.
Ständig sind wir erreichbar und ungefähr alle 2 Minuten bekommen wir eine Whatsapp.
Dazu kommt, dass ich im Rahmen des Bloggens nun bei Instagram aktiv bin und auch dort bekommt man ständig irgendwelche Infos und Neuigkeiten auf´s Handy, zusätzlich zu den (täglichen) Posts und dem regelmäßigen nachschauen, ob nicht doch ein neuer Abonnent dazu gekommen ist!
Ich würde gern sagen, ich bin nicht süchtig, doch ich bin der Meinung, dass es eine Art von Sucht ist, so sehr auf sein Handy fixiert zu sein.
Vor ein paar Tagen wurde mir durch eine Situation klar, WIE sehr ich an diesem Handy hänge- und wie viel Zeit ich dadurch mit meinem Mann und meiner Tochter verliere.
Natürlich ist es mir wichtig (ZU wichtig!), dass mein Blog läuft, dass ich stetig aus meinem Leben poste und dabei hoffe, dass ich schnellstmöglich 128. 000 Abonnenten habe. Warum? Es macht mir Spaß zu schreiben und zu bloggen. Am liebsten würde ich davon leben können.
Aber anstatt aus meinem Leben zu erzählen und es zu dokumentieren, hinterher zu rennen, um die Sekunden aufzuzeichnen, in denen mein Trotzkopfkind ihre Schritte geht, sollte ich das Handy weg legen und diesen Moment bewusst erleben. Bis ich mein Handy gezückt, die Kamera geöffnet und auf den Auslöser gedrückt habe, sind die Laufversuche vorbei und ich habe sie verpasst, weil ich mich organisieren musste.
Genauso ist es bei der Kommunikation: Es nervt mich manchmal so sehr, wenn ich meinen Mann etwas frage und er mich nicht hört, weil er auf sein Handy schaut. Anders herum ist es übrigens dasselbe.
Dadurch geht soviel Zeit und Motivation verloren, sich auszutauschen und einfach mal im Jetzt zu leben.
Seit ich mein Handy öfter mal zur Seite lege und das Piepen ignoriere oder leise stelle, fühle ich mich als eine etwas bessere Mutter. Klar, ich schaue immer wieder mal drauf. Ich laufe auch manchmal am Kinderwagen mit dem Handy in der Hand und ich sitze trotzdem NICHT ständig neben dem Trotzkopfkind, voll auf sie fixiert und ignoriere meine Bedürfnisse.
Doch es gibt Momente, die nicht mit dem Handy, sondern mit den Augen eingefangen werden müssen, denn dann bleiben sie besser in meiner Erinnerung. Und danach fällt es mir viel leichter, darüber zu bloggen.

Medien sind ein großer Bestandteil unseres Lebens. Ich habe nicht vor, das Trotzkopfkind von Medien fernzuhalten. Aber ich denke, sie kann noch ein wenig größer werden, bis sie ein Tablet oder ihr eigenes Handy bekommt.
Dennoch finde ich es wichtig ihr den Umgang mit bestimmten Dingen nahe zu bringen.
Ich glaube, jeder Papa und jede Mama haben sicherlich ihre eigene Methode, die funktioniert und das wird sicher richtig sein. Es ist meiner Meinung nach einfach wichtig, das pure Erleben nicht zu vergessen; sei es in der Natur, in Interaktion mit anderen und auch im Umgang mit Medien.
Dann werden aus den Trotzkopfkindern ganz sicher große, starke, selbstsichere Persönlichkeiten.

Und jetzt wird gespielt… Tschüss Handy! 😉

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