Eltern, Menschen, Leben

#Liebesbrief an mein Kind

Liebe I.,

ich sitze hier am Esstisch und sollte eigentlich lernen, während du mit deinem Papa spielst. Aber ich kann einfach nicht aufhören, euch beide zu beobachten. Und weil ich so glücklich darüber bin, schreibe ich dir diesen Liebesbrief.
Kaum zu glauben, dass du bald anderthalb Jahre alt bist…
Wir haben uns so sehr ein Kind gewünscht, aber wir hätten nie gedacht, wie glücklich du uns machen würdest.
Als ich Papa davon erzählte, dass ich schwanger war, konnte er es kaum fassen! Wir haben nie damit gerechnet, dass wir so schnell ein Baby bekommen würden und wir freuten uns jetzt schon so sehr auf dich.
Und dann konnte ich dich endlich sehen; beim Arzt hörte ich das erste Mal deinen Herzschlag und konnte dich auf dem Ultraschallbild beobachten. Du hast immer viel geschlafen und wolltest mir dein Gesicht nicht zeigen.
Doch je größer du wurdest, desto größer wurden auch meine Sorgen. Die Ärztin erklärte mir, dass du etwas kleiner als andere Babys warst, noch dazu lagst du verkehrt herum im Bauch. Trotzdem ging es dir so gut, dass du, vier Wochen zu früh, an Papas 30. Geburtstag auf die Welt geholt wurdest. Weil du so klein warst und schlecht atmen konntest, bist du vier Tage auf der Intensivstation für Babys geblieben.
Ich hatte ein Zimmer in der Nähe, doch ich vermisste dich jede Sekunde, die ich nicht bei dir sein konnte, so sehr! Um dich sooft wie möglich zu sehen, zu kuscheln und zu stillen, kam ich alle zwei bis drei Stunden zu dir, damit wir Zeit miteinander verbringen konnten. Und auch Papa besuchte uns jeden Tag.
Wir waren so glücklich, dich endlich bei uns zu haben. Es war, als wären wir niemals ohne dich gewesen. Obwohl es eine unheimlich stressige Zeit für uns alle war, ist uns jede Minute in Erinnerung geblieben.
Anfangs hatten wir drei ein wenig Startschwierigkeiten. Weil du zu früh geboren warst fiel es dir schwer, Milch zu trinken; du warst so hungrig, gleichzeitig sehr ungeduldig (ganz die Mama) und müde. Es war auch für mich nicht leicht, Stillen bedeutete immer Stress. Ich weinte viel, weil ich Angst hatte, ich könnte dich nicht beruhigen oder glücklich machen ohne das Stillen. Ich dachte, es wäre meine Schuld, dass es einfach nicht klappt.
Irgendwann beschloss ich es stattdessen mit der Flasche zu versuchen: Ich hatte soviel Angst vor dieser Entscheidung; Angst, dass du nicht richtig wachsen oder keine Bindung zu mir aufbauen würdest.
Doch diese Angst war unbegründet.
Wir beide waren uns so nah, wie Mama und Kind sich nahe sein konnten. Gemeinsam mit Papa nutzten wir in den ersten Wochen jede Minute zum kuscheln und kennenlernen. Es war so schön, dich zwischen uns liegen zu haben, deinen Geruch einzuatmen, dich zu beobachten, dir bei deinen ersten Geräuschen zu zuhören und zu sehen, wie du deine Welt entdeckst.
Du warst von Anfang an ein sehr offenes, fröhliches Kind. Es dauerte gar nicht lange bis du uns das erste Mal angelächelt hast mit deinem kleinen, zahnlosen Mund. Uns ging das Herz dabei auf.
Doch natürlich war es nicht immer einfach. Die ersten drei Monate hattest du schlimme Bauchweh, die so stark waren, dass nichts helfen konnte und du die ganze Nacht weinen musstest. Kaum war das überstanden, kamen deine ersten Zähne.
Papa und ich waren so erschöpft, dass wir im Sitzen einschliefen.
Aber auch das ging vorüber.
Nach und nach lerntest du die spannendsten Dinge. Du konntest dich plötzlich von einer Seite auf die andere drehen, dann zogst du dich an den Schränken hoch und plötzlich konntest du krabbeln.

Manchmal warst du in deiner Entwicklung etwas langsamer als andere Kinder. Und anfangs machte ich mir immer Sorgen, wenn ich sah, dass andere, jüngere Kinder schon etwas konnten, was du noch nicht konntest.
Aber irgendwann war uns das egal! Du warst perfekt und du bist es immer noch! Du hast dein eigenes Tempo und jeden Tag hast du etwas Neues gelernt oder herausgefunden.
Die Zeit verfliegt einfach viel zu schnell. Mittlerweile bist du schon 16 Monate alt. Du kletterst auf dem Spielplatz allein die Rutsche hoch und wieder runter, du krabbelst auf die Couch und stibitzt die Bilderrahmen aus dem Regal, um dann alle Personen auf dem Foto zu streicheln. Fotos magst du sehr gern.
Du krabbelst durch dein Zuhause und spielst mit Papa Verstecken oder machst so lustigen Unsinn, dass es uns manchmal schwer fällt mit dir zu schimpfen. Wie sollen wir auch schimpfen, wenn du uns mit deinen großen Kulleraugen anstrahlst?
Papa und ich genießen jeden Moment mit dir. DU bist unser Lebensinhalt; für dich lassen wir alles stehen und liegen. Du machst jeden unserer Tage lebenswert. Ich freue mich jeden Morgen darauf, in dein lächelndes Gesicht zu schauen, wenn du aufwachst und vermisse dich jede Minute, die du nicht bei mir bist. Ich liebe es, wenn du auf meinem Arm bist, deinen Kopf an meine Schulter kuschelst und mir über den Kopf streichelst.
Wir, Papa und ich, freuen uns unglaublich, dich bei deinen ersten Schritten begleiten zu dürfen, mit dir zu diskutieren, wenn du deinen Sturkopf durchsetzen willst und ein Teil deines Lebens sein zu dürfen.
Egal, worum es geht- du kannst immer zu uns kommen. Du brauchst dich nicht schämen und du musst keine Angst haben. Wir werden immer für dich da sein.
Denn wir sind deine Eltern und wir lieben dich so sehr.

Kuss,

Deine Mama und dein Papa

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