Ernährung

„Sie wollen doch nicht…?!“- Toleranz, wo bist du nur?

Kennt ihr das? Dieses Gefühl, dass euch alle anderen anstarren; das Gefühl, wenn ihr an einem Ort vorbei lauft und die Blicke im Rücken spürt, die euch verfolgen; das Gefühl, im Café zu sitzen und von der Umgebung beobachtet zu werden; das Gefühl, wenn jede Handlung mit missbilligendem Kopfschütteln unterstrichen wird.

Es ist mies. Es fühlt sich ätzend an.

Klingt hart und ist auch so.

Ich war heute mit einer Freundin, auch Mutter, im Café verabredet, ein sehr schönes Café, welches die meiste Zeit von älterem Publikum besucht ist. Dort ist es relativ eng, aber einfach sehr schön.

Während wir unseren Kaffee tranken, stillte meine Freundin ihr acht Wochen altes, zuckersüßes Baby, bedeckte sich dabei brav mit einem Spucktuch.

Genau aus diesem Anlass kamen wir auf das berühmt-berüchtigte Thema Stillen, sie erzählte mir von ihren Erfahrungen, die sie in den gerade mal acht Wochen als Mutter schon machen musste.

Da sitzt man entspannt mit seiner Freundin zusammen und hat das Baby in der Trage und obwohl jeder andere Gast einen Gesprächspartner hat und sich eigentlich auf sich selbst konzentrieren könnte, wird unter vorgehaltener Hand (oder auch laut und sehr motzig) darüber spekuliert, warum das verwöhnte Kind denn noch nicht selber sitzen kann.

Wagt sich dieses Kind dann auch noch, einen Mucks von sich zu geben, haben die armen Gäste gar keine andere Wahl, als sich in ihrer wohlverdienten Ruhe gestört zu fühlen.

Wie soll man dann noch die gar nicht so bösen Beschwerden á la „Sie wollen doch wohl jetzt nicht HIER stillen?!“ zurück halten?

Oh doch, ich will…Und ich werde!

Ich frage mich, was hier nicht stimmt- ehrlich, ist unsere Gesellschaft in der heutigen Zeit wirklich noch so dermaßen intolerant??

Kinder sind unsere Zukunft. Kinder sind unsere Nachkommen, Kinder sind diejenigen, die unsere Welt erhalten oder hoffentlich verbessern werden.

Wie kann es dann sein, dass wir nicht in der Lage sind, andere Menschen und ihre Individualitäten, sowie ihre Handlungen nicht tolerieren und teilweise sogar verurteilen, für das was sie tun oder sind?

Wieso ist es einer Mutter nicht „gestattet“, ihr hungriges, kleines Baby in der Öffentlichkeit zu füttern, zu stillen, zu säugen? (Anmerkung: Menschen sind Säugetiere… Vielleicht heißt es nicht umsonst SÄUGE-tiere?)

Es schockiert mich regelrecht, dass Frauen sich sorgen, unsicher sind und voller Zweifel dreimal darüber nachdenken müssen, ob sie wirklich ihr hungriges Kind stillen oder lieber das Kind brüllen lassen und aus dem Café flüchten müssen, um nach einem anderen, womöglich unbequemen Örtchen zu suchen, an dem sie bloß niemand anderen stören.

Das ist nicht in Ordnung. Punkt.

Niemand hat das Recht, eine Mutter zu fragen, ob sie denn wirklich ihre Brust auspacken muss.

Stillen ist die normalste Sache der Welt. Brüste sind die normalste Sache der Welt.

Kinder werden gestillt, Kinder sind laut, Kinder machen Dreck und Kinder werden sowohl getragen, als auch im Kinderwagen geschoben.

Natürlich hat jeder hat seine eigene Meinung zu den verschiedensten Dingen. Aber es gibt Momente, da sollte man einfach mal die Klappe halten. Oder seinen Kaffee austrinken und gehen. Ganz einfach, oder nicht?

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